Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Eine notwendige Diskussion: die Definition von „Fake News“

Zwei Jahre nach dem Amtsantritt von Donald Trump und drei Jahre nach Beginn der Präsidentschaftskampagne des philippinischen Despoten Duterte geht die Kontroverse über die Verwendung des Begriffs „Fake News“ (Bezeichnung der bekanntesten Form der Desinformation) in die nächste Runde.

Diese Kontroverse aber ist absolut notwendig. So schreibt Claire Wardle: „Definitionen und Terminologie sind wichtig. Für politische Entscheidungsträger, Technologieunternehmen, Politiker, Journalisten, Bibliothekare, Pädagogen, Akademiker und zivilgesellschaftliche Organisationen, die alle mit den Herausforderungen der Informationsunordnung ringen, ist die Einigung auf ein gemeinsames Vokabular unerlässlich.“

Der Haupteinwand gegen die Verwendung des Begriffs ‚Fake News‘ besteht darin, dass er sich inzwischen zu einem Terminus gewandelt hat, der alles bedeuten kann. Seine Verwendung ist mittlerweile ein reiner Akt der Ablehnung. (Siehe dazu „Open letter to Grace Poe on ‚fake news‘“ in der philippinischen Tageszeitung Philippine Daily Inquirer vom 30. Januar 2018) Der von Donald Trump zur politischen Waffe umfunktionierte Begriff ist zu einer so gebräuchlichen Phrase geworden, dass er heute praktisch nutzlos ist: Wenn eine Sache „Fake News“ sein kann, dann kann alles „Fake News“ sein. Die Phrase ist im Übergang von der Beleidigung zum Klischee zur Pointe begriffen.

Die Bekämpfung der Verwendung des Terminus „Fake News“ drückt sich auch in Form seiner konsequenten Ablehnung aus. Dabei wird konstatiert, dass der Begriff keinen Sinn macht, da sich die beiden Wörter gegenseitig aufheben. Mit anderen Worten, ein Oxymoron. Wenn es sich bei einer Nachricht um einen Bericht zu einem tatsächlichen Ereignis handelt, kann eine Falschmeldung nicht als News angesehen werden. So heißt es in einer Einführung der Zeitung The Strait Times aus Singapur: „Schließlich werden Nachrichten im Allgemeinen als Informationen oder Berichte über kürzliche oder bisher unbekannte Ereignisse definiert, was bedeutet, dass sie wahr sein müssen.“

Diese Sichtweise aber basiert auf einem Kategoriefehler. Der Begriff „Fake News“ bezieht sich in Wirklichkeit nicht auf Falschmeldungen als eine Kategorie von Nachrichten, sondern auf absichtlich falsche Informationen, die vorgeben, Nachrichten zu sein. „Fake News“ sind keine Unterkategorie von Nachrichten, sondern ein ganz anderes Universum, das aus erfundenen Informationen besteht.

Die Analogie zu einer gefälschten Rolex, die man auf der Straße kaufen kann, mag hier Aufschluss geben. Niemand, der sich mit dem Thema auskennt, wird behaupten, dass es sich bei einer gefälschten Rolex um einen Typ oder eine Untergruppe von Uhren dieser Marke handelt; Das wäre ein grundlegender logischer Fehler. Vielmehr stellt die gefälschte Uhr das Gegenstück zur echten Rolex dar.

Das ist es, was „Fake News“ sind - keine Nachrichtentyp, sondern genau das Gegenteil von dem, was Nachrichten sind.

„‚Fake News‘ haben eine reale Bedeutung - Es handelt sich um absichtlich konstruierte Lügen in Form von Nachrichtenartikeln, die die Öffentlichkeit in die Irre führen sollen." - Margaret Sullivan, Washington Post

Es gibt noch einen weiteren Vorbehalt gegen die Verwendung des Begriffs: die prinzipielle Weigerung, einen Terminus und einen Namen zu verwenden, der, ob absichtlich oder unabsichtlich, den Journalismus abwertet. Die Leiterin des Google News Lab für den asiatisch-pazifischen Raum, Irene Jay Liu, hat auf einem Forum ein sehr eloquentes Argument vorgebracht. „Ich entscheide bewusst, den Begriff ‚Nachrichten‘ nicht in die Diskussion über Fehlinformationen, Desinformationen, Propaganda und Satire einzubeziehen“, sagte die ehemalige Journalistin, „weil dieser Begriff keine Bedeutung hat und zudem den Journalismus diffamiert. Es sind keine Nachrichten, sondern einfach nur falsche Informationen.“

Eine bekannte Aussage von Frank La Rue, einem stellvertretenden Generaldirektor der UNESCO, verwendet das gleiche Argument: „‚Fake News‘ ist in erster Linie ein schlecht gewählter Begriff, und zwar hauptsächlich, weil sie als Stolperfalle dienen. Das ist nichts Neues. Allein der Begriff erzeugt Misstrauen gegenüber der Presse und der Arbeit von Journalisten. Besonders gravierend ist, dass politische Führer damit begonnen haben, den Begriff gegen die Presse zu verwenden. Dies ist ein entscheidender Moment, in dem wir unseren Beruf vehement verteidigen müssen. Wir müssen einen Journalismus der Ehrlichkeit fördern, einen Journalismus, der als wahrheitsgetreu angesehen wird.“

Diese wohlmeinenden Erklärungen sind ein Beispiel für den primären Vorbehalt gegen die Verwendung des Begriffs „Fake News“, und zwar dass er für alles Mögliche verwendet werden kann. Auf der anderen Seite stellen sie die Besorgnis all derjenigen heraus, die sich eine gesunde und informierte Öffentlichkeit wünschen. Der Begriff alleine trägt schon dazu bei, den gesamten Apparat der Nachrichtensammlung und -verbreitung zu untergraben.

Dies ist eine Realität, der sich Journalisten nicht entziehen können. Wenn irgendeine Falschinformation, die nicht einmal im Entferntesten etwas mit Nachrichten zu tun hat - wie zum Beispiel das chirurgisch aufgehübschte Gesicht eines Schauspielers - als „Fake News“ bezeichnet wird, wird die wahre Bedeutung des Begriffs nicht nur bedeutungslos. In diesem Fall schadet die Bedeutungslosigkeit der Verwendung des Terminus auch dem Nachrichtenunternehmen selbst. Es mag sein, dass jede Verwendung der öffentlichen Wahrnehmung des Wertes des Journalismus und der Glaubwürdigkeit des Berufsstandes nur einen unbedeutenden Schaden zufügt, aber kumulativ gesehen können sich die Folgen zu etwas durchaus Ernstem summieren.

Trotzdem, die Definition eines Problems ist ein notwendiger Schritt zum seinem Verständnis.

Wenn er als Nachrichten getarnte Falschmeldungen bezeichnet, stellt der Ausdruck eine schleichende Gefahr sowohl für das demokratische Projekt als auch für den Diskurs dar, der es nährt. Deshalb muss der Begriff korrekt definiert werden. Margaret Sullivan von der Washington Post hat eine nüchterne, aber elegante Definition parat: „Es handelt sich um absichtlich konstruierte Lügen in Form von Nachrichtenartikeln, die die Öffentlichkeit in die Irre führen sollen.“ Für unsere Zwecke ist die sogenannte 3-D-Formel genau und angemessen: „Ein absichtlicher Akt der Erfindung und Manipulation; getarnt, um wie Nachrichten auszusehen, so zu klingen und sich so anzufühlen; entworfen, um zu täuschen.“