Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Aufklärung führt aus Desinformations-Falle

Die meisten Menschen glauben, sie seien gut informiert, trotzen misstrauen viele von ihnen Nachrichtenquelle. Dies ist nur eines der Ergebnisse einer Kantar (Emnid) Studie, die die Friedrich-Naumann-Stiftung in Auftrag gegeben hat.

Auf den ersten Blick klingt das alles ganz beruhigend: 95 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in sieben Ländern auf vier Kontinenten der Welt finden sich selbst "sehr gut" oder "gut" über Coronavirus informiert. Gefragt wurden im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung in einem repräsentativen Querschnitt über 7000 Personen in Deutschland und den USA sowie in Indien, Jordanien, Mexiko, den Philippinen und Südafrika.

Auch die internationale Variation des subjektiven Informationsgefühls ist minimal - nur Jordanien liegt unter 90 Prozent. Sind also die Debatten über Fake News viel lauter Lärm und unnötige Sorge?

"Soziale Medien weniger genutzt als Fernsehen."

Mitnichten! Denn fast die Hälfte aller Befragten ist der Überzeugung, dass ihre Hauptquellen der Information - Fernsehen, Radio und Zeitungen - auf Druck der jeweiligen Regierungen Tatsachen über das Coronavirus verschweigen. In Deutschland sind es immerhin noch mehr als ein Drittel, in den USA fast die Hälfte und in Mexiko weit mehr als die Hälfte. Also: ein deutliches Misstrauensvotum gegenüber den klassischen Medien und dem Staat, das allerdings - noch (?) - nicht soweit geht, dass man den eigenen Informationsstand als substanziell beeinträchtigt sieht.

Dass dies an anderen verfügbaren Quellen liegt, ist zweifelhaft; die Umfrage zeigt nämlich auch, dass die sozialen Medien selbst bei den Jüngeren weit weniger als Wissensquelle genutzt werden als vor allem das Fernsehen. Auch der tatsächliche Wissensstand der Befragten zu Corona belegt eindrucksvoll, dass die subjektive Selbsteinschätzung der Menschen viel zu optimistisch ist.

"47 Prozent der Menschen glauben an chinesische Biowaffe."

So geben mehr als die Hälfte zu, dass es ihnen schwerfällt, Falschmeldungen von Richtigem zu unterscheiden. Zwar halten zwei Drittel von ihnen die Berichterstattung der Medien für ausgewogen - in den USA übrigens nur knapp 46 (!) Prozent, aber im Ergebnis glauben sie doch mit überraschend hohen Anteilen an gängige Mythen, die zu Corona kursieren und nach jetzigem Erkenntnisstand eindeutig falsch sind: 47 Prozent teilen die Überzeugung, das Virus sei in einem chinesischen Labor gezüchtet worden und 38 Prozent, es sei eine chinesische Biowaffe.

Auch über Bill Gates, der mit seiner Stiftung weltweit Gesundheitsprojekte fördert, sind Vorurteile weit verbreitet. Die Hälfte aller Befragten meint, Bill Gates fordere eine Zwangsimpfung aller Menschen, 39 Prozent hält ihn für mächtiger als die eigene Regierung und immerhin 20 Prozent stimmen der Aussage zu, er habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gekauft.

Bemerkenswert dabei ist, dass die Deutschen insgesamt resistenter gegen die Mythen sind als die Befragten anderer Länder, aber dass doch auch hierzulande eine signifikante Minderheit das Falsche für die Wahrheit hält. Man kann von einer Fake-News-Falle sprechen, die sich bei Corona auftut. Das völlig unerwartete, plötzliche Auftreten der Pandemie hat die Menschen zutiefst verunsichert. Subjektiv sind sie sich noch sicher, gut informiert zu sein, aber das ist zu einem beachtlichen Teil ein Irrtum - und dies ahnen viele auch.

"Corona ist ein idealer Nährboden für Mythen."

Corona ist insofern ein idealer Nährboden für Mythen und abwegigen Theorien. Und das Virus liefert auch die Motivation, nach schuldigen Sündenböcken zu suchen.

All dies macht deutlich: Der globale Kampf gegen Fake News ist von großer Bedeutung. Ihm gebührt eine viel höhere Priorität, als ihm bisher zukommt. Aus liberaler Sicht geht es dabei natürlich nicht um Verbote, um die Diskussion zu unterdrücken.

Es geht stattdessen um weltweite Aufklärung aufgrund von sorgfältiger Recherche und mit sachlicher Berichterstattung. Wollen wir den Fort- schritt der Menschheit befördern, so brauchen wir Fakten und Empirie statt Mythen und Verschwörungstheorien.

Dieser Beitrag wurde erstmalig am 20. Juli in der Magdeburger Volksstimme veröffentlicht.