Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Bill Gates – Eine moderne Hexenjagd

Die Corona-Krise ist ein Brandbeschleuniger für Verschwörungsmythen und Falschmeldungen. Von extremen Gruppen international verbreitet, sind Lügen um Zwangsimpfungen und die „New World Order“ bereits in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das zentrale Feindbild in der Verleumdungskampagne: Microsoft-Gründer Bill Gates.

„Gib Gates keine Chance!“ Der Spruch prangt auf einem Plakat, das einer der etwa 100 Protestierenden vor dem Bundestag in die Höhe hält. Offiziell handelt es sich bei der angemeldeten Demonstration um eine Kundgebung zur Kritik an den Maßnahmen der Bundesregierung während der Corona-Pandemie. Unter diesem Deckmantel verbreiten jedoch auch zahlreiche Verschwörungsgläubige ihre Mythen – und erreichen damit immer mehr Menschen.
Was Milliardär Bill Gates damit zu tun hat? Er eint als prominentes Feindbild Impfgegner, Verschwörungstheoretiker, rechts- und linksextreme Gruppierungen und selbsternannte besorgte Bürger. Sie sehen in Gates den Kopf einer internationalen Konspiration. Gates wolle Zwangsimpfungen durchsetzen. Gates wolle jedem Menschen einen Mikrochip implantierten. Leicht widerlegbare Gerüchte. Warum sind sie ein Problem?
Weil sie millionenfach geteilt werden. Nicht allein der anonyme Nutzer „QAnon“, der sich als Geheimdienst-Mitarbeiter ausgibt und „vertrauliche Informationen“ kundtut, hat in den USA eine Masse Anhänger und Nachahmer gefunden. Unter dem Pseudonym „QAnon“ sammeln sich Trolle unterschiedlichster Couleur. Die Welle haltloser Anschuldigen ist längst nach Europa geschwappt.

1,5 Millionen regelmäßige Verschwörungskonsumenten

So belegt eine aktuelle Studie von „NewsGuard“, einem Online-Dienst, der die Transparenz und den Wahrheitsgehalt von Nachrichtenportalen bewertet, dass die Zahl an Seiten, die regelmäßig und bewusst Falschinformationen mit ihren Followern teilen, gewachsen ist. Allein auf Facebook sind während der Pandemie elf Seiten entstanden, die regelmäßig Falschinformationen teilen. Auch und insbesondere über Bill Gates. Insgesamt erreichen sie damit in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Facebook-Nutzer. Hinzu kommen Messenger wie Telegram und Signal, die für die Faktenprüfer schwer zugänglich sind.
Der ehemalige Moderator und Vollzeitdemagoge Ken Jebsen behauptet etwa in einem Youtube-Video, Gates kontrolliere derzeit die Welt und „das, was die (Gates) wollen, müssten Regierungen, Virologen und die Weltgesundheitsorganisation umsetzen“. Sein Clip wurde in Deutschland mehr als 2,5 Millionen Mal geklickt.

Warum Gates?

Wie ist der Microsoft-Gründer zu einer Zielscheibe für Verleumdungen geworden? Einfache Antwort: Sein soziales Engagement reicht aus. Die Bill & Melinda Gates Foundation ist mit Einlagen von ca. 46,8 Milliarden US-Dollar die größte wohltätige Stiftung der Welt. Gates und seine Ehefrau finanzieren etwa 10 Prozent des Beitragsaufkommens der WHO. Diese Mittel sind zweckgebunden. Das bedeutet: Sie dürfen nur für bestimmte Maßnahmen innerhalb der WHO eingesetzt werden. Kritiker werfen den Gates zwar eine Einflussnahme auf die Priorisierung der WHO-Einsätze vor. Trotzdem würdigen sie gleichzeitig die großzügigen Spenden und den Einsatz der Gates.

Anders als die Verschwörungstheoretiker, die immer neue Thesen hervorbringen.
Aktuell werfen sie den Gates vor, einen gefährlichen Impfstoff produzieren zu wollen, der zahlreiche Menschenleben koste.
Der Milliardär ging auf die Vorwürfe ein und versicherte in einem Interview mit der BBC: „Im Mittelpunkt steht Sicherheit. Wenn wir einen Impfstoff haben, was mindestens 18 Monate dauern kann, gehen wir nach normalen und gültigen Maßstäben vor“
Erst würde nur eine Versuchsgruppe von etwa 100 Personen geimpft. Erst wenn Risikofaktoren ausgeschlossen werden können, wird die Anzahl der Teilnehmer erhöht.
Von einer flächendeckenden Zwangsimpfung kann nicht die Rede sein.

Was die vermeintliche Hexenjagd auf einen Wohltäter beweist: Die Grenze zwischen Falschmeldung und Fiktion ist gänzlich beseitigt worden. Denn: Jede Geschichte braucht einen Bösewicht. Wenn es eine spannende Geschichte sein soll, stattet der Erzähler seinen Schurken mit gottesgleichen Attributen aus: Unbegrenzte finanzielle Mittel, die Intelligenz eines wahren Genies, internationale Vernetzung – und natürlich: ehrgeizige Pläne.
Bill Gates ist unberechtigter Weise das perfekte Feindbild für alle Skeptiker und Corona-Leugner. Leider im weltweiten Maßstab.