Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Der Unbeugsame: Can Dündar

Mit unerbittlicher Härte verfolgt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan seine Kritiker. Mit ungebrochenem Willen stellt sich ihm Journalist und Dokumentarfilmer Can Dündar entgegen.

„Sollen wir die Demokratie, die trotz all ihrer Fehler immer noch die beste Regierungsform ist, die wir haben, schutzlos dastehen lassen, weil sie zunehmend aus der Mode kommt? Meine Antwort lautet: Nein!“
 Für Aussagen wie diese hat Can Dündar im Jahr 2015 92 Tage in einem Hochsicherheitsgefängnis in Istanbul gesessen. Schlimmer war nur die Aussicht auf eine lebenslange Haftstrafe wegen Spionage und Geheimnisverrats. Denn Dündar hatte aufgedeckt, dass die Türkei Waffen an Rebellen in Syrien geliefert hatte. Dündars Reaktion: weitermachen. Und: sich bedanken. In einem offenen Brief an Präsident Erdoğan. Dafür, dass er ihm eine große Bühne geschenkt und sich selbst ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit gerückt habe.

Dündar wohnt mittlerweile in Deutschland und ist zu einem der wichtigsten Beobachter der Regierung Erdoğan geworden. Immer wieder bringt er in seinen Berichten, u. a. für die deutsche Zeitung Die Zeit, ans Licht, wie die türkische Regierung Jagd auf Oppositionelle macht, Gesetze biegt oder bricht. Auch außerhalb der staatlichen Grenzen. So schrieb er über eine geplante Entführung eines Dissidenten, der sich angeblich unter dem Schutz des BND, in einer Wohnung in Berlin-Neukölln verstecke. Auch Dündar sollte per Interpol-Haftbefehl gesucht und erneut in der Türkei vor Gericht gebracht werden, was ein juristisches Tauziehen um den Journalisten auslöste.

Aus der Perspektive des ehemaligen Chefredakteurs der Zeitung Cumhuriyet und mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilmers begrenzen sich Konflikte niemals nur auf das jeweilige Land – sie greifen um sich.
In Hinblick auf die Türkei merkt er an, dass Präsident Erdoğan sein Denken, und damit auch seine Wahlkampfversprechen, längst nach Deutschland exportiert habe.

Vielleicht noch wichtiger als seine Auszeichnungen und seine Artikel ist die Tatsache, dass Dündar mit seiner Arbeit eines beweist: Ungeachtet des Medienechos, das sein Fall auslöste, muss man sich stets bewusst machen, dass er ein Stellvertreter ist. Für Tausende verfolgte Journalisten und Oppositionelle weltweit.