Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Desinformation – Ein Angriff auf die Freiheit

Desinformation bedient die Sehnsucht nach einfachen Erklärungen, sie verzerrt die politische Debatte und mündet mitunter sogar in tödlicher Gewalt. Dagegen helfen nur Argumente, mehr Bildung und bürgerliches Engagement.

Desinformation ist überall, und sie ist hochgefährlich. Politik, Medien, Wissenschaft und Bürger sind heute damit konfrontiert: mit bewusst irreführenden Behauptungen, die absichtlich verbreitet werden. Oft haben diese Behauptungen einen wahren Kern, der sie auf ersten Blick plausibel macht, beispielsweise eine Zahl aus einer Statistik, die tatsächlich existiert, aber aus dem Kontext gerissen ihrer Aussagekraft beraubt ist und nunmehr der Desinformation dient. Oft sind die Behauptungen aber auch glatt gelogen. Oder Aussagen werden mutwillig so zerfleddert, dass sich ihre Stoßrichtung diffamierend ins Gegenteil verkehrt. Das mussten unter anderem zahlreiche Politikerinnen und Politiker bereits erleben – darunter, vor nicht allzu langer Zeit, der FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner. Eine seiner Aussagen in einer Rede im Bundestag über den Wohnungsmarkt fand sich auf Twitter und Facebook derart verkürzt zitiert wieder, dass der Eindruck entstand, Lindner sehe sich lächerlicherweise als besonders betroffen von der Knappheit des Wohnraums in Berlin. Dabei hatte er exakt das Gegenteil gesagt.

Auch müssen häufig Bilder dafür herhalten, Falschmeldungen in den Köpfen der Menschen zu verankern, beispielsweise als einige auf Twitter und Facebook verbreitete Fotos angeblich schwere Gewalttaten in Deutschland zeigten, tatsächlich aber von einem Anschlag in Ägypten stammten. Solche Desinformation begleitet, beeinflusst und verzerrt wichtige politische Entscheidungen, beispielsweise schon im Zusammenhang mit der amerikanischen Präsidentenwahl 2016, mit der Brexit-Abstimmung im Vereinigten Königreich, mit Referenden in Katalonien, Schottland und den Niederlanden, aber auch im Zusammenhang mit den Kriegen in Syrien und in der Ukraine oder mit Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Zudem kursieren seit 2015 zahllose verschiedene Gerüchte über Geflüchtete in Deutschland; 2018 fachten Falschmeldungen die rechtsextremen Krawalle in Chemnitz maßgeblich mit an.

Solche Falschmeldungen und Gerüchte, absichtlich in den sozialen Netzwerken gestreut, gehören mittlerweile zum Alltag. Auch nach dem Anschlag in Hanau und der Amokfahrt von Volkmarsen lief die Maschinerie an. Auf einer ausländischen Website fand sich – ohne Angaben von Quellen – die erfundene Nachricht, dass ein islamistischer Attentäter mit dem Personenwagen durch den Rosenmontagszug gerast sei. Hunderte Nutzer griffen das auf. Die Menschen, die solche vollkommen haltlose Behauptungen nicht nur glauben, sondern sogar aktiv weitertragen, wähnen sich von Polizei und Medien systematisch belogen.

Desinformationen bauen aufeinander auf, fügen sich zu einem Referenzsystem zusammen und können Menschen in eine Parallelwelt führen, in der die Macht der Aufklärung kaum noch wirkt und die Vernunft keine Chance mehr hat. Die dafür empfänglichen Menschen gewichten Meldungen nicht mehr nach deren Glaubwürdigkeit, sondern nach dem propagandistischen Wert für ihre eigene Rezeption der Realität. Dabei funktioniert Desinformation nicht isoliert, sondern als Teil einer Gesamterzählung. Zwischen beiden besteht eine existentielle Wechselbeziehung: Die Gesamterzählung verleiht der Falschmeldung einerseits überhaupt erst Bedeutung, andererseits bestätigt die Falschmeldung scheinbar die Gesamterzählung. In dieser Kombination kann die Desinformation dann ihre volle destruktive Wucht entwickeln.

Die Nachfrager für das Angebot der Desinformation auf dem Markt der Meinungen sind Menschen, die sich nach einfachen Erklärungen sehnen und vor dem Wirrwarr zurückschrecken, der in der Moderne mit Freiheit und Pluralismus verbunden ist. Es ist tatsächlich nicht leicht, im reißenden Nachrichtenstrom die Orientierung zu behalten, den eine freie Welt in ihrer Unübersichtlichkeit produziert. Man kann und muss sich seine eigene Meinung stets auf der Basis unzähliger anderer Einschätzungen bilden. In der modernen Informationsgesellschaft gibt es Zugang zu unendlich vielen Informationen und wissenschaftlichen Untersuchungen, aber diese sind im Ergebnis oft komplex, uneindeutig und teilweise sogar widersprüchlich. Wer Desinformationen in die Welt setzt, der gaukelt den Menschen hingegen Übersichtlichkeit vor, indem er hochkomplexe gesellschaftliche Zusammenhänge solange übermäßig vereinfacht, bis sich Verschwörungstheorien formulieren und Schuldige benennen lassen.

Desinformation folgt dabei dem Sündenbockprinzip. Geheime Strippenzieher lenken demnach angeblich die Politik und die Medien, schieben beispielsweise Hunderttausende Menschen wie Spielfiguren zwischen Ländern hin und her, planen gar einen „Bevölkerungsaustausch“. Solche Erzählungen, so absurd sie offensichtlich sind, liefern Fanatikern immer wieder brandgefährliche ideologische Munition. Diese schießt mitunter aus der Gewehrmündung eines Terroristen wieder hervor – zum Beispiel kürzlich in Halle, wo ein Mann eine Synagoge angriff, weil er der wahnhaften Idee folgte, die Juden seien „schuld“ an Feminismus und Massenzuwanderung. Desinformation ist eine reale Gefahr für Menschen. Sie einfach zu ignorieren, ist keine Option.

Letztlich ist Desinformation ein schrilles Alarmsignal für eine liberale demokratische Gesellschaft, die auf Aufklärung und Vernunft baut. Das beste Mittel gegen die Desinformation sind allerdings nicht Verbotsgesetze, sondern vor allem sorgfältige Argumente, mehr Bildung, unabhängige Medien – und engagierte Bürger, die Freiheit und Pluralismus nicht als Zumutung empfinden, sondern bewusst und gern Verantwortung übernehmen. Hier sind wir alle gefragt.