Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Fake it until you make it - Der Fall der Fake News von Ivan Despotović

„Fake it until you make it“ (Tu als ob, bis es geschafft ist) ist der erste im Rahmen des Freedom Barometer 2019 Index veröffentlichte Sonderbericht, der mit der Intention konzipiert wurde, einen Überblick über den wachsenden Trend zur Manipulation der öffentlichen Meinung über das Internet – unter der Bezeichnung FAKE NEWS bekannt – zu bieten.

Bislang war das Internet ein Raum für die weitere Demokratisierung unserer Gesellschaft, indem es dem Durchschnittsbürger politische und gesellschaftliche Prozesse näher brachte. Dieser Raum wird jedoch zunehmend für die gezielte Manipulation der öffentlichen Meinung und die Unterdrückung grundlegender Freiheiten, wie etwa der freien Meinungsäußerung und der Informationsfreiheit, genutzt. Obwohl dies in erster Linie auf autoritäre Staaten zutrifft, wurde dies durch die ausländische Einmischung in innenpolitische Prozesse einzelner Länder allerdings in sämtlichen europäischen Ländern zu einem Problem. Auf den folgenden Seiten werden wir die wichtigsten Informationen im Zusammenhang mit dem Trend der Fake News analysieren, wie etwa deren Charakteristika, Auswirkungen, Strategien und wie sie sich in einzelnen Ländern entwickeln. Ziel dieses Berichts ist es, eine Grundlage für die künftige Diskussion über mögliche Lösungen zu bieten, um den Schutz der durch diesen wachsenden Trend gefährdeten Grundfreiheiten zu gewährleisten.

=> Das Phänomen der Fake News nimmt direkten Einfluss auf alle drei Säulen der politischen Freiheit des Freedom Barometer Index, da es die Freiheit und Fairness von Wahlen behindert, demokratische Institutionen untergräbt und das Vertrauen in die Medien und die Qualität des Journalismus schwächt.

=> Laut Untersuchungen des Freedom Barometer Index findet in 25 Ländern nachweislich Manipulation zu gesellschaftspolitischen Zwecken über die sozialen Medien statt.

=> Autoritär regierte Länder verlagerten ihre Strategie von der flächendeckenden Verbreitung falscher Inhalte aus dem Ausland hin zur Stärkung inländischer Gruppen mit dem entsprechenden Know-how und den Ressourcen zur Erstellung und Verbreitung von Fake News.

=> Unter dem Vorwand der Bekämpfung von Fake News gelang es autoritären Regierungen, ihre Kontrolle über die Verbreitung von Informationen in der Gesellschaft durch neue Gesetze zu festigen.

=> Demokratien befinden sich häufig in einer Falle, in der ihre Reaktion größeren Schaden verursacht, als der Anlass selbst. Dies gilt auch für Fake News. Der Kampf gegen Fake News könnte die Freiheit der Meinungsäußerung und die demokratische Ordnung möglicherweise stärker schädigen als die Fake News an sich.

Womit haben wir es zu tun?

Laut dem Freedom Barometer Index und zahlreichen anderen internationalen Watchdog-Organisationen, wie etwa Freedom House oder Reporter ohne Grenzen, befindet sich die Pressefreiheit rund um den Globus auf einer kontinuierlichen Talfahrt. Das Medienumfeld ist mit einer ganzen Reihe von Herausforderungen konfrontiert, wie etwa:


=> Zunehmende Eigentumskonzentration im Medienbereich und unübersichtliche Besitzstrukturen;

=> Erheblicher politischer und wirtschaftlicher Druck auf die mediale Berichterstattung durch einseitige staatliche Subventionsmaßnahmen oder Werbung im öffentlichen Sektor;

=> Hartes Vorgehen gegen kritische Medienberichterstattung durch den missbräuchlichen Einsatz gesetzlicher und außergesetzlicher Mittel;

=> Feindliches Umfeld für Journalisten, das durch verbale und physische Übergriffe und Einschüchterungen bis hin zu Mord getrübt wird;

=> Die schlechte wirtschaftliche Lage in vielen Ländern wirkt sich auf die sinkenden professionellen Standards der Medien aus. 


Darüber hinaus gibt es jedoch zunehmend auch systematische Fehlinformationskampagnen, die darauf abzielen, demokratische Institutionen zu unterminieren, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, gesellschaftliche Polarisierung auszulösen und das Vertrauen in die Medien und deren Arbeit zu schwächen.

Die Manipulation der öffentlichen Meinung ist jedoch nichts Neues. Seit Jahrzehnten wird sie von Politikern und Regierungen benutzt, um Unterstützung für ihre Aktionen zu generieren. Die beschleunigte Verbreitung via Internet und Social Media machte diese Manipulationen jedoch zu einer der größten Bedrohungen für moderne Demokratien. Diese Instrumente erhöhten die Geschwindigkeit und Reichweite, während sie gleichzeitig die Preise reduzierten und die Wirkung intensivierten. All diese Faktoren waren zuvor primäre Hindernisse für Manipulationen. Es gibt viele Ausdrücke für die Manipulation der öffentlichen Meinung, wie etwa Desinformation, Falschmeldungen, Fehlinformationen oder fingierte/gefälschte Nachrichten. Der von Normalbürgern und politischen Akteuren besonders häufig benutze Begriff ist jedoch FAKE NEWS. Von dem Begriff selbst abgesehen, läuft alles auf ein und dieselbe Bedeutung hinaus.

Fake News bezeichnet die gezielte und systematische Fehlinformation mit dem Ziel der Manipulation der öffentlichen Meinung mithilfe des Internets.

Ähnlich wie bei den unterschiedlichen Begriffen gibt es auch zahlreiche Definitionen für Fake News oder Desinformation. Nachfolgend die Definition der Europäischen Kommission:

„Desinformation“ sind nachweislich falsche oder irreführende Informationen, die mit dem Ziel des wirtschaftlichen Gewinns oder der vorsätzlichen Täuschung der Öffentlichkeit konzipiert, vorgelegt und verbreitet werden und öffentlichen Schaden anrichten können. Unter „öffentlichem Schaden“ sind Bedrohungen für die demokratischen Prozesse sowie für öffentliche Güter wie die Gesundheit der Unionsbürgerinnen und -bürger, die Umwelt und die Sicherheit zu verstehen. Desinformation bezeichnet keine unabsichtlichen Irrtümer, Satire und Parodie oder deutlich gekennzeichnete Nachrichten und Kommentare von Parteianhängern.

DIE FREIHEIT IN GEFAHR

Von dem Moment an, als das Konzept der Manipulation über soziale Medien in den Fokus der Öffentlichkeit geriet (während der US-Wahlen 2016), bis heute hat dessen Präsenz und Nutzung zur Manipulation der Öffentlichkeit drastisch zugenommen. Gleichzeitig entwickelten sich Strategien für die Erstellung und Verbreitung, die es ermöglichten, aktuelle Maßnahmen der Regierungen zu umgehen. Dies resultierte in einer vermehrten Präsenz von Fake News im Alltag der Menschen, was wiederum häufig ein Misstrauen in die Berichterstattung objektiver und unabhängiger Medienkanäle zur Folge hat. Auch ermöglichte das Schüren von Angst innerhalb der Bevölkerung davor, permanent Fake News ausgesetzt zu sein, autoritären Regierungen die Einführung neuer Gesetze, die einzig den Machthabern die Befugnis verleihen, zu entscheiden, ob eine Information der Wahrheit entspricht oder nicht – welche dieses Mittel nutzen, um kritische Berichterstattung und Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Zudem setzten sich einzelne Regierungen in besser entwickelten Demokratien intensiv dafür ein, private Organisationen mit dem Recht auszustatten, Informationen und Meinungsfreiheit gemäß ihren eigenen Kriterien zu zensieren und übergaben somit die Verantwortung von demokratischen Institutionen an Unternehmen. Betrachtet man all dies, so haben Fake News der demokratischen Entwicklung weltweit Schaden zugefügt und haben darüber hinaus das Potenzial, diese Wirkung auch weiterhin zu verstärken. Laut der Studie „The Global Disinformation Disorder“ der Oxford Universität hat die Anzahl der Länder, in denen es nachweislich Manipulation durch Social Media gab, seit 2017 um 150 % zugenommen. 2019 gab es in 70 Ländern Manipulation durch die sozialen Medien, wobei sich mindestens eine staatliche oder politische Organisation der gezielten Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch Desinformation bediente. Ein Großteil der entsprechenden Aktivitäten in diesen Ländern fand im Zusammenhang mit Wahlverfahren statt. Was die im Freedom Barometer Index behandelten Länder angeht, so gab es in 25 von 45 untersuchten Ländern nachweislich Manipulation durch soziale Medien. 


Laut den Untersuchungen des Freedom Barometer Index gab es in 25 Ländern nachweislich Manipulationen zu gesellschaftspolitischen Zwecken mithilfe der sozialen Medien.

In einer zunehmend von Falschinformationen dominierten Umgebung ist es nahezu unmöglich, den Bürgern Informationsfreiheit zu gewähren. Sie sind permanent Fake News ausgesetzt sowie einer von Panikmache geprägten Diskussion über das Konzept von Fake News, welche generelles Misstrauen gegenüber der Berichterstattung und Informationen verursacht. Diese Umstände erschweren die Arbeit von Medienkanälen zusätzlich und stellen deren wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit zunehmend in Frage. Bislang lag der Ursprung von Fake News meist im Ausland und zielte darauf ab, die Resultate bestimmter gesellschaftlicher oder politischer Prozesse zu beeinflussen. Die Techniken für die Rückverfolgung der Quellen solcher Inhalte sind mittlerweile immer besser geworden und drängen die Drahtzieher hinter der Erstellung von Fake News-Inhalten dazu, ihre Strategien zu verändern. Heute lässt die Einmischung von außerhalb allmählich nach, es gibt jedoch zunehmend inländische Gruppierungen, die bei der Manipulation der Öffentlichkeit über die sozialen Medien mitmischen. Diese Aktivitäten werden meist von ausländischen Akteuren wie Russland oder China unterstützt, die die inländischen Gruppierungen mit finanziellen Ressourcen und Know-how unterstützen. Diese neue Strategie verlangt nach einer Reaktion, um in der Lage zu sein, mit den Auswirkungen der Fake News umzugehen. 

Autoritär regierte Länder verlagerten ihre Strategie von der flächendeckenden Verbreitung falscher Inhalte aus dem Ausland hin zur Stärkung inländischer Gruppen mit dem Know-how und den Ressourcen zur Erstellung und Verbreitung von Fake News.

In autoritären Staaten, die häufig beschuldigt werden, für die Erstellung von Fake News-Berichten verantwortlich zu sein, wurde der Begriff „Fake News“ zu einem Instrument zur Rechtfertigung weiterer repressiver Gesetze, mit deren Hilfe die Regierungen die Meinungsfreiheit weiter einschränken können. Diese Gesetze ermöglichten Regierungen wie denen der Türkei, Russlands, Tadschikistans oder Aserbaidschans, mittels Zensur, Freiheitsstrafen und Schikanen weiter hart gegen oppositionelle Politiker, Aktivisten der Zivilgesellschaft und kritische Journalisten vorzugehen, die ihre Meinung in den sozialen Medien kundgetan hatten. Diese Gesetze erlaubten ihnen auch, ihre Bestrebungen zur Kontrolle der Informationsverbreitung in der Gesellschaft zu verstärken und dem Staat die Macht zu verleihen, in alleiniger Regie zu bestimmen, was richtige und was falsche Informationen sind. Auf diese Weise wird die Aufsicht über die Aktivitäten der Regierung äußerst stark eingeschränkt. 

Unter dem Vorwand der Bekämpfung von Fake News gelang es autoritären Regierungen, ihre Kontrolle über die Verbreitung von Informationen in der Gesellschaft durch neue Gesetze weiter zu festigen.

Die freie Meinungsäußerung im Internet ist in Russland extrem einschränkt, insbesondere nachdem die Regierung 2019 eine neue Gesetzesänderung verabschiedete, die die nationale Medienaufsichtsbehörde Roskomnadzor und zahlreiche andere staatliche Gremien autorisierte, von ihnen als Fake News kategorisierte Online-Inhalte zu verbieten und zu zensieren. Dieses Gesetz, das, zusammen mit zahlreichen anderen, die Beleidigung von Staat oder Religion verbietet, wird häufig zur Hilfe genommen, um mittels hoher Geldstrafen, der Schließung von Medienkanälen und Haftstrafen kritische Stimmen innerhalb der Gesellschaft zum Schweigen zu bringen. Neben vielen anderen außergesetzlichen Instrumenten, die gegen die Kritiker eingesetzt werden, sind verbale und physische Gewalt, Einschüchterungen und Schikanen die Mittel der Wahl.

Von dem Augenblick an, wo die Verantwortung für die Überwachung und Genehmigung/Zensur von Online-Inhalten von demokratischen Institutionen an Technologieunternehmen übergeben wird, erreichte die Bedrohung für die Freiheit der Meinungsäußerung eine neue Dimension. Die hoheitliche Funktion staatlicher Institutionen wird an Unternehmen ohne öffentliche Kontrolle und Rechenschaftspflicht übertragen. Diese Situation zeigt sich aktuell in vielen entwickelten Demokratien, wie etwa in Deutschland, wo das sogenannte NetzDG (Netzwerkdurchsetzungsgesetz) verabschiedet wurde, ein Gesetz, durch das hohe Bußgelder für Unternehmen verhängt werden können, die „illegale Inhalte“ nicht zensieren. Dies ist eine unmittelbare Gefahr für die freie Meinungsäußerung als eine der wichtigsten Freiheiten. Da westliche Demokratien häufig als Vorbild für andere Länder dienen, könnte mit der Umsetzung ähnlicher Gesetze in diesen Ländern, in denen Kontrollmechanismen nur schwach ausgeprägt sind, das Recht der Bürger auf freie Meinungsäußerung in arge Bedrängnis geraten. 

Demokratien befinden sich häufig in einer Falle, in der ihre Reaktion größeren Schaden verursacht, als der Anlass selbst. Dies gilt auch für Fake News. Der Kampf gegen Fake News könnte die Freiheit der Meinungsäußerung und die demokratische Ordnung möglicherweise stärker schädigen als die Fake News an sich.

DIE ERSTELLUNG UND VERBREITUNG VON FAKE NEWS

Um Fake News zu verstehen und wie man damit umgehen kann, muss man die Motivation hinter der Erstellung und Verbreitung von Fake News kennen. Laut zahlreichen Untersuchungen sind die häufigsten Gründe für die Entstehung falscher Inhalte und deren großflächige Verbreitung:

  1. Politische Motivation – Die Erstellung von Fake News mit der Intention, die öffentliche Meinung zum Vorteil politischer Akteure – Regierungen oder politischen Parteien – zu manipulieren sowie die Manipulation politischer und demokratischer Prozesse in der Gesellschaft. Häufig werden negative Inhalte in Bezug auf politische Gegner erstellt oder solche, die deren Handeln kritisieren;
  2. Gesellschaftliche Motivation – Erstellung von Fake News in der Absicht, die Gesellschaft in Bezug auf ein bestimmtes Thema zu polarisieren, oder eine größere öffentliche Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema zu lenken, wobei in erster Linie bestimmte gesellschaftliche Gruppen profitieren, nicht notwendigerweise politische Akteure;
  3. Wirtschaftliche Motivation – Die Erstellung von Fake News mittels reißerischer Stories/Inhalte, um eine größtmögliche Reichweite zu erlangen und so großen Umsatz/finanzielle Vorteile zu generieren, wie nur irgend möglich.

Wie bereits mehrfach in diesem Bericht festgestellt, ist die Manipulation der öffentlichen Meinung nichts Neues. Dies wird mit den gleichen Intentionen bereits seit Jahrzehnten in unseren Gesellschaften praktiziert. Und doch erfordert die Version des 21. Jahrhunderts namens „Fake News“ aufgrund der Bedrohung, die sie wegen des höheren Wirkungsgrads hinsichtlich ihrer Verbreitung für die Demokratie darstellt, sehr viel mehr Aufmerksamkeit. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg kann auf zwei Begriffe heruntergebrochen werden – Internettechnologie und Vertrauen, die beide in den sozialen Medien tief verwurzelt sind.Aus technologischer Sicht haben die Social-Media-Kanäle die Kosten für die Verbreitung drastisch reduziert, die Geschwindigkeit erhöht und die Reichweite vergrößert. Diesbezüglich bedarf es wohl keiner tiefergehenden Erklärung. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der mit den sozialen Medien einhergeht, ist allerdings Vertrauen.Ausschließlich von Online-Freunden und einer immensen Flut von Inhalten umgeben zu sein, hat die Social-Media-Plattformen zu einem perfekten Kanal für die Verbreitung von Fake News gemacht. Erstens befinden sich die Menschen in einer freundlichen Umgebung – der des Vertrauens. Demzufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie die von ihren Freunden geteilten Inhalte glauben, höher – egal ob sie der Wahrheit entsprechen oder nicht. Dies gilt besonders dann, wenn der geteilte Inhalt eine ohnehin bereits bestehende Weltanschauung oder Meinung zu einem bestimmten Thema bestätigt. Laut einer Untersuchung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit mit dem Titel „Was tun gegen Fake News?“ können Menschen, die einen bestimmten Fake News-Gegenstand nicht für wahr halten, durch permanente Wiederholung auf dafür geeigneten Social Media-Kanälen – insbesondere Facebook – dennoch von dessen Wahrheit überzeugt werden. Darüber hinaus haben zahlreiche Studien gezeigt, dass sich die Menschen beim „Durchscrollen“ der Inhalte auf Social Media-Plattformen in einem geringen Aufmerksamkeitszustand befinden. Dies macht sie anfällig für die Aufnahme und Akzeptanz gewisser Informationen. Ein weiterer Aspekt des Vertrauens ist zunehmendes Misstrauen der Menschen untereinander. Der große Lärm allein um das Wort „Fake News“ führt dazu, dass die Menschen skeptisch sind, was die Inhalte angeht, die sie lesen und dass sie sich unsicher sind, ob die Informationen aus verlässlichen oder doch aus eher nicht vertrauenswürdigen Quellen stammen. Dies ist besonders problematisch wenn es darum geht, dass sie vor anstehenden (von ihnen zu treffenden) politischen oder gesellschaftlichen Entscheidungen informiert werden müssen.

AUSWIRKUNGEN AUF ALLE DREI SÄULEN DER POLITISCHEN FREIHEIT

Wie aus dem oben Gesagten ersichtlich, wirken sich Fake News auf verschiedene Art und Weise negativ auf die politische Freiheit aus. Dies entging auch dem Freedom Barometer nicht, das daher diesem Thema einen Sonderbericht widmete. In diesem Index gliedert sich die politische Freiheit in drei Säulen:

  • Freie und faire Wahlen;
  • Das Fehlen verfassungswidriger Vetoakteure;
  • Pressefreiheit.

Die Wirkung von Fake News kann ebenso in diese drei Säulen aufgeteilt werden.Der Hauptzweck von Fake News ist, die Öffentlichkeit systematisch mit Fehlinformationen zu versorgen, um politische Prozesse zu manipulieren. Diese Manipulation steht in vielen Ländern häufig im Zusammenhang mit Wahlverfahren. Der Begriff an sich wurde im Zusammenhang mit Absichten zur Manipulation der öffentlichen Meinung im Vorfeld der US Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016 geprägt. Aus diesem Grund erschweren es Fake News den Bürgern, informierte Entscheidungen, basierend auf echten und objektiven Informationen, zu treffen und berauben sie so eines ihrer Grundrechte – dem Recht auf Information. Dieses Phänomen beeinträchtigt in der Folge unmittelbar die Freiheit und Fairness von Wahlprozessen.


Die Bürger der Türkei sind Fake News-Inhalten besonders stark ausgesetzt. Laut dem Reuters Institute wurde nahezu jeder zweite Bürger der Türkei mit fingierten Inhalten konfrontiert – und dies nur in einer einzigen Woche. In der Türkei hat die Niederwerfung von Demokratie und Freiheit in den letzten Jahren zu einem enormen Anstieg von Manipulationen über die sozialen Medien im Vorfeld von Wahlen und Volksabstimmungen geführt oder wenn es um die Vermeidung/Eindämmung der Häufigkeit von regierungskritischen Demonstrationen ging. Das Ziel orchestrierter Fake News-Kampagnen ist häufig, politische Gegner, kritische Journalisten und Aktivisten durch unverfrorene Kampagnen zu diskreditieren. Der führende Oppositionspolitiker Ekrem Imamoglu geriet vor den Wahlen zum Bürgermeister von Istanbul in den Fokus einer solche Kampagne, als er angeblich in einem Video geäußert hatte, er werde eine Terroristengruppe dazu bringen, das Land zu regieren. Bei den Präsidentschaftswahlen von 2018 in Georgien waren die Entwicklungen ähnlich, dieses Mal kamen sie jedoch von beiden Seiten – sowohl von Seiten der Regierung als auch von der Opposition. Eine Vielzahl von Facebook-Seiten erschien, und stellte den starken Anstieg von Aktivitäten fest, die darauf abzielten, die eine oder andere führende politische Gestalt im Wahlkampf in Misskredit zu bringen. 

Aus der von Freedom Barometer bereitgestellten Analyse könnte man den Schluss ziehen, dass die gängigsten verfassungswidrigen Vetoakteure aus dem Inland stammen. Seien es wohlhabende Geschäftsleute, Politiker ohne konstitutionelle Macht oder Akteure wie religiöse Gruppen oder Sicherheitskräfte. Der Trend der Fake News ermöglichte es ausländischen Staaten, die Souveränität demokratischer Institutionen eines anderen Landes zu untergraben, indem sie die demokratischen Prozesse unterminierten – entweder direkt aus dem Ausland oder indirekt durch die Stärkung inländischer Gruppierungen für derartige Aktionen. Dies setzte sie auf die Liste potentieller Vetoakteure. 

In der Ukraine ist die Öffentlichkeit mit intensiven Pro-Kreml-Fehlinformationskampagnen konfrontiert, die darauf abzielen, bei den russischsprechenden Bürgern des Landes russische Interessen zu unterstützen. Diese Kampagnen werden meist über regierungsfreundliche Medienkanäle von Russland aus organisiert und gestartet. Dabei werden häufig Inhalte geteilt, die auch in den ukrainischen Medien publiziert und in den sozialen Netzwerken verbreitet werden.

In demokratischen Gesellschaften nehmen die Medien die Funktion eines Aufsichts- und Kontrollmechanismus über alle drei Säulen der Macht ein. Mit der zunehmenden Präsenz von Fake News, nimmt ihre Macht jedoch angesichts der Verwirrung, was die Vertrauenswürdigkeit der Informationen angeht, ab. Dies führte häufig dazu, dass das Misstrauen auf eher ausgewogene Medienkanäle umgelenkt wurde. Ein weiteres Problem ist außerdem der wirtschaftliche Aspekt. Um mit der großen Menge der aus dem Boden schießenden Falschinformationen konkurrieren zu können, stehen Journalisten unter Druck und müssen noch mehr Inhalte in weniger Zeit produzieren. Dies hat ein Absinken der journalistischen Standards zur Folge. Fake News wirken sich gemessen am Freedom Barometer Index auch auf andere Aspekte der Freiheit aus, wie etwa die Rechtsstaatlichkeit und Wirtschaftsfreiheit. So werden gefälschte Informationen insbesondere benutzt, um durch Manipulationen im Zusammenhang mit Gleichheits- und Minderheitsfragen gesellschaftliche Spaltungen und Instabilität zu verursachen, was in der Folge die Menschenrechtssituation in den betreffenden Ländern verschlimmert. In den vergangenen Jahren wurden Falschinformationen verbreitet, um unter den europäischen Bürgern Ängste hinsichtlich der Auswirkungen durch den gesteigerten Zustrom von Migranten auf die künftige Struktur und die Zukunftsperspektiven ihrer Gesellschaften zu schüren. Mehr darüber ist in den Länderanalysen des Freedom Barometer Index zu lesen.  

IVAN DESPOTOVIĆ ist Analytiker zum Thema politische Freiheit im Freedom Barometer-Team und Autor des Podcasts „Finding Freedom“ der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Obwohl er einen Abschluss an der Fakultät für Transport und Verkehrsingenieurwesen hat, bezeichnet er sich selbst eher als – Sozialingenieur‖. Er ist seit frühester Jugend politisch aktiv als Mitglied der liberaldemokratischen Partei in Serbien, bei der er Vorsitzender der LDP-Jugend und von 2015–2018 Mitglied im Parteivorsitz war. Er arbeitet für die zivilgesellschaftliche Organisation Libero als Projektmanager, mit dem Spezialgebiet Entwicklung und Management von Projekten zum Schutz und der Förderung von Menschen- und Bürgerrechten, sowie für die Verankerung demokratischer Werte bei jungen Menschen in Serbien und der Region Südosteuropa. Ivan ist Autor mehrerer Handbücher für Jugend-Aktivismus und für die Stärkung zivilgesellschaftlicher Organisationen durch die Nutzung digitaler Technologien. Als Mitbegründer der Smart City Education Initiative setzt er sich für die Zusammenarbeit zwischen Politik- und Privatsektor (Start-up-Unternehmen) bei der Entwicklung technologischer Lösungen für die Förderung der Stadtentwicklung und die Durchführung innovativer lokaler Regierungspraktiken ein. Er ist Programmdirektor des Smart City Festivals in Belgrad – einer jährlich stattfindenden Veranstaltung, bei der mehr als 2000 Gäste, Redner und Experten aus der ganzen Welt zusammenkommen. Außerdem ist er als strategischer Kommunikationsberater und Ausbilder in diesem Bereich tätig.