Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

Sprache auswählen:

Wie Desinformation sich ausbreitet – Blaupause aus dem Schwarzbuch

Ein angebliches Unglück in einer Chemie-Fabrik. Ein Kinderpornografie-Ring, betrieben von Hillary Clinton. Ein Flugzeug-Unglück, das nie passiert ist. Um welche Meldung es sich auch handelt: Moderne Desinformations-Kampagnen folgen immer der gleichen Mechanik. Kein Zufall. Denn die wurde von Experten entwickelt und als Leitfaden zusammengefasst.

Wahnsinn mit Methode: Pizzagate, Impfzwang, vermeintliche Wirtschaftskriege: Fake News wirken oft chaotisch und krude. Ihre Verbreitung hält sich jedoch an einen Ablauf, der während des Kalten Krieges perfektioniert wurde: den Sieben-Schritte-Plan. Eine Strategie, die Experten des KGB Anfang der Siebziger Jahre in einem Schriftstück für „Aktive Maßnahmen“ zusammengefasst haben. Seitdem gilt dieses Skript als universelle Blaupause für jede Desinformations-Kampagne. Besonders im Online-Zeitalter. Wie sehen diese sieben Schritte aus? Der ehemalige KGB-Major Stansilav Levchenko, der heute in den USA lebt, fasst sie wie folgt zusammen:

1. Der Hebel (oder: „Search For Cracks“)

Kurz und schmerzvoll: Wirksame Desinformation setzt dort an, wo es weh tut. Am Anfang einer jeden Falschmeldung stehen eine Analyse und eine klare Zielsetzung. Das Suchen nach einer „Nische“, einer Schwachstelle, an der man einen Hebel ansetzt. Persönliche Schwachpunkte eines politischen Gegners können genauso zum Ziel werden wie gesellschaftliche oder ökonomische Missstände. Entscheidend dabei: Nicht der Wahrheitsgehalt einer Behauptung, sondern die vage Emotion des Publikums. Sie soll verstärkt werden. Ein anschauliches Beispiel? Der oft und aktuell auf YouTube, Signal oder Facebook gern gebrauchte Kommentar: „Die da oben belügen uns!“. Vage, haltlos, gefährlich.

2. Die Lüge (oder: „The Big Fat Lie“)

Eine Lüge, die niemanden kalt lässt. Je unwahrscheinlicher und abscheulicher eine Geschichte klingt, desto niedriger ist die Annahme, sie könnte erfunden sein. Und je höher ist ihr Nachrichtenwert, selbst wenn sie beim Fact Checking seriöser Medien durchfällt. Ein Paradoxon, das sich in der Praxis bestätigt hat.
So verbreitete sich unter dem Namen „Operation Infektion“ ab 1983 rasant das Gerücht, das HI-Virus sei von der CIA erfunden worden, um Minderheiten in den USA zu schwächen, vielfach widerlegt ist. Bis heute hält sich das Gerücht hartnäckig und wird auch in der aktuellen Corona-Pandemie von Verschwörungstheoretikern herangezogen, um Unsicherheit zu schüren. Wie bereits beim Ebola-, Zika-, oder Vogelgrippe-Virus.

3. Das Quantum Wahrheit (oder: „The Kernel of Truth“)

Eine Lüge verbreitet sich schnell und hält sich hartnäckig, wenn sie in einem glaubhaften Kontext präsentiert wird. Auch hier gilt: Gefühlte Wahrheit geht vor Realität. Um die Verbreitung des Corona-Virus ranken sich bereits zahlreiche Mythen. Ein schwerwiegender Fall mit langem Nachklang ist auch die Email-Affäre um Hillary Clinton. Trolle nutzten die Untersuchung des Außenministeriums, um übers Netz haarsträubende Verleumdungen als vermeintlich „geleakte“ Mails zu verbreiten.

4. Verwische deine Spuren (oder: „Conceal Your Hand“)

Moderne Fake News beziehen sich stets auf vermeintliche Experten-Meinungen und „Fakten“. Die Quellen dieser Tatsachenbehauptungen bleiben jedoch meist ungenannt. Dem Rezipienten soll es möglichst schwer gemacht werden, den Ursprung einer Behauptung zu finden, damit der Urheber unentdeckt und somit unangreifbar bleibt, wie der Fall „QAnon“ aktuell illustriert hat. Ein angeblicher Insider der US-Regierung veröffentlichte auf dem Forum 4Chan gefälschte Geheimdienstpapiere und erfundene Vorwürfe gegen Führungsspitzen aus Politik und Wirtschaft. Sein Nutzername „QAnon“ wird nun von Anhänger der Thesen genutzt.

5. Suche dir einen Idioten (oder: „The Useful Idiot“)

In den Worten des ehemaligen KGB-Mannes Stansilav Levchenko und seines Skriptes: „Such dir einen nützlichen Idioten, der die Botschaft in die Welt trägt.“
Meistens finden diese Multiplikatoren die Botschaft jedoch selbst.
So wurden selbst auf WikiLeaks angebliche Emails veröffentlicht.
Ein bekanntes Beispiel aus Amerika: Alex Jones. Der Blogger und Aktivist greift in seinem wöchentlichen Podcast gern neue vermeintliche Theorien auf – und befeuert sie. Stets unter dem Deckmantel einer neutralen Meinungsäußerung.

6. Dementieren, Dementieren (oder: „Deny Everything“)

„Wenn sie fragen: Dementieren, Dementieren, Dementieren“. Die Zauberformel, die Robert De Niro als Spin-Doctor im Film „Wag The Dog“ ausspricht, stammt ebenfalls aus der Hand Levchenkos. Vorwürfe, Recherchen, sogar klare Beweise über erfundene Nachrichten werden von den Urhebern oder Verfechtern der These schlicht bestritten. Denn jede konkrete Gegendarstellung würden die Ziele einer gefälschten Nachricht konterkarieren Misstrauen und Ungewissheit schüren.

7. Der stete Tropfen (oder: „The Long Game“)

Desinformationen und darauf fußende Verschwörungs-Mythen sind auf Langlebigkeit ausgelegt. Zwar entwickeln sie online schnell ein Eigenleben und werden viral verbreitet. Themen, die einen latent aktuellen Bezug haben, vergisst das Netz jedoch niemals. Sie bleiben immer in Klickweite. Immer wieder werden sie aufgegriffen und dienen sogar als Beweis für darauffolgende Fake News. Frei nach dem Motto: „Wenn die Mondlandung frei erfunden war, wo hat die Regierung noch gelogen?“
Dass Facebook und Twitter mittlerweile Falschinformationen löschen oder Verstöße ahnden, hilft nur bedingt. Denn über eigene Blogs und Messenger wie „Signal“ laufen weiterhin unbehelligt erfundene Fakten.

Quellen:

  • Stansilav Levchenko: „On the Wrong Side“
  • New York Times: „The Spies Who Invented Fake News“