Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Im Blickfeld versteckt

Beispiele wie China und Ungarn zeigen: Während der Corona-Krise wachsen Zensur und politische Einflussnahme auf die Presse. Ein neues Projekt macht kritischen Journalismus weltweit frei zugänglich. Und nutzt dazu: Minecraft.

Minecraft ist ein putziger Zeitvertreib. Spieler des Open-World-Abenteuers bauen sich eigene, bunt animierte Welten auf, kämpfen gegen niedliche Monster oder nutzen die Online-Plattform schlicht, um sich zu vernetzen. Simple Grafik, zuverlässige Server, leichte Unterhaltung, das Minecraft-Universum begeistert mittlerweile mehr als 126 Millionen monatlich aktive Nutzer. Nahezu in jedem Land ist es frei zugänglich.

Drogenkartelle, politisch motivierte Morde und Zensur spielen in Minecraft natürlich keine Rolle. Nicht offiziell zumindest. Denn das Projekt „The Uncensored Library“ der NGO Reporter ohne Grenzen macht sich die Reichweite und die unabhängigen Strukturen des Spiels zunutze.


Fernab der Zensur

Eine Bibliothek im klassischen Sinne: Artikel, Magazinseiten, Auszüge aus Blogs. Mit explosivem Inhalt für autoritäre Regime, verpackt in verspielter 2D-Optik.
Es sind Beiträge von Journalisten, denen die Arbeit in ihrem jeweiligen Staat untersagt wurde, die durch ihre Veröffentlichungen in Lebensgefahr schweben – oder wegen ihres Einsatzes für die Pressefreiheit getötet wurden.

So findet man etwa Artikel des mexikanischen Journalisten Javier Valdez, der seine Recherchen zum politischen Einfluss des Sinaloa-Kartells mit dem Leben bezahlte, Texte von Hatice Cengiz, der Verlobten des saudi-arabischen Bloggers Jamal Khashoggi und aktuelle Beiträge des vietnamesischen Menschenrechtsaktivisten Nguyen Van Dai. Er wurde in seiner Heimat zu 15 Jahren Haft verurteilt, nachdem er mehr Demokratie und Gewaltenteilung gefordert hatte.
Nach zwei Jahren Arrest wurde er nach Deutschland ausgewiesen und baute die Bibliothek mit auf.

Durch Minecraft kann er weiter publizieren. Auch in Vietnam, wo IP-Adressen stetig von der Regierung verfolgt und gesperrt werden.

Das bunte Online Game bietet Schutz. Nicht nur den Journalisten, sondern auch den Usern. Denn Minecraft ist nicht verboten. Und bisher ist es von außen nicht möglich, nachzuvollziehen, ob ein Spieler in Minecraft gelesen, oder sich mit anderen Spielern ausgetauscht hat.

Das Projekt nutzt nicht nur ein Schlupfloch in der Online-Überwachung totalitärer Regime. Es macht auch einen Schritt in Richtung des modernen Journalismus: Es erwartet nicht vom Leser, zum Medium zu kommen. Sondern sucht ihn dort, wo er die meiste Zeit verbringt und offen ist für neuen Input.