Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Fehlinformationen in Pakistan während COVID-19

In Pakistan hat die Desinformation in den letzten Jahren zugenommen, da einem großen Teil der Bevölkerung die digitale Kompetenz fehlt, was sie für verschiedene Arten von Online- und digitaler Propaganda anfällig macht. Der zunehmende Zugang zu digitalen Tools wie WhatsApp hat den Austausch von Fehlinformationen verstärkt.

„Wir möchten alle Studenten der verschiedenen Universitäten darüber informieren, dass wir beschlossen haben, alle Online-Kurse abzubrechen, und vor allem, dass alle Prüfungen abgesagt wurden.“ Ein widerlegter Post auf Facebook.

„Sofortiges Verbot von Geflügel“ – Ein weiterer Facebook- und WhatsApp-Post, der als falsch entlarvt wurde und dennoch weit verbreitet wurde.

„Essen Sie kein Huhn!“ Auch diese Meldung wurde als falsch entlarvt und trotzdem viel geteilt und wird nach wie vor weit verbreitet.

„Sie sollten Blätter der Senna-Pflanze oder sana makki essen, das kann COVID-19 heilen.“ Widerlegt, aber trotzdem landeten Patienten mit schwerem Durchfall in Notaufnahmen im Krankenhaus, weil „sana makki“ ein starkes Abführmittel ist.

Aus den oben ausgewählten WhatsApp/Twitter/Facebook-Posts ist ersichtlich, dass Pakistan während COVID-19 gegen zwei Übel kämpfen musste: die Pandemie und die Infodemie.

Ursprung und Ursachen

Von „Das ist nur eine Grippe, trinken Sie Wasser“ und „Das ist eine Verschwörung“ wechselte das Narrativ sehr schnell zu „Es ist Allah ka Azab (Gottes Zorn) und wir sollten beten“ und dann weiter zu Wut und Schuldzuweisungen wegen der Lockdown-Politik der Regierung.

„Warum verbietet die Regierung Moscheen, wenn die Märkte geöffnet bleiben? Geht Corona nicht auf Gemüsemärkte?“

Geflügel wurde ebenfalls zur Zielscheibe. Ein Fall von angeblich mit dem Coronavirus infizierten Geflügel, das folglich verboten wurde, machte die Runde in den sozialen Medien. Die Nachricht wurde von Fact Checker Sachee Khabar als Fälschung identifiziert. Dadurch konnte unnötige Panik verhindert werden. (Sachee Khabar bedeutet in der Urdu-Sprache „Wahre/faktenbasierte Nachrichten“)

Prävention

Wie überall auf der Welt verbreiteten sich die Verschwörungen der biochemischen Kriegsführung schnell, wobei sie gleichzeitig ein lokales Flair entwickelten. Eine WhatsApp-Nachricht lautete: „Wir bekommen kein Corona, weil wir ein muslimisches Land sind, dagegen hilft, fünfmal am Tag eine Waschung vorzunehmen.“ Die Nachricht wurde dann sehr spezifisch: „… Corona-Keime werden aus dem Hals oder der Nase entfernt, wenn wir mit Mundwasser gurgeln.“ Händewaschen war und ist eine vernünftige Strategie zur Bekämpfung von Virusinfektionen, aber wenn man sich ohne wissenschaftliche Beweise mit den Feinheiten des Wudu befasst, wird es dünn.

Heilmittel

Im Mittelpunkt der Verbreitung von Fake News standen vor allem Heilmittel. Von ‚Warmes Wasser trinken‘ über ‚Knoblauch essen‘ bis hin zu Knoblauchhonigpasten zur Beruhigung trockener Kehlen (ein typisches Desi-Mittel gegen Husten) – dazu gab es eine ganze Reihe von Textnachrichten auf WhatsApp und Facebook. Die gefährlichsten Fake News kamen per YouTube-Video (das jetzt von YouTube entfernt/markiert wurde). In diesem Video behauptete Nazir Ahmed, ein in Großbritannien ansässiger Kräuterarzt, er habe über 150 Covid-19-Patienten mit einem Tee aus einer speziellen Pflanze geheilt.

„Viele Ergebnisse von Coronavirus-positiven Patienten fielen negativ aus, nachdem sie meinen Kräutertee getrunken hatten ... Ich fordere die britische und pakistanische Regierung heraus: dadurch wird ganz sicher jeder geheilt, der an dem Virus leidet, und zwar innerhalb eines Tages!“. Sein Video wurde mehr als 100.000 Mal angesehen.

Ein verärgerter Krankenhausarzt in der Notaufnahme eines Privatkrankenhauses in der Hauptstadt Islamabad teilte folgende Nachricht: „Wir hatten zu Beginn mehr Durchfallpatienten als COVID-19-Patienten, dank dieser Fake News, die sich wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien verbreiteten. Warum überprüfen das die Leute nicht erstmal?“

Könnte es sein, dass die Empfehlung der Verwendung von Sana Makki (einem bekannten pflanzlichen Abführmittel) ein böswilliger Trick oder eine gut gemeinter Rat für ein pflanzliches Heilmittel war, das durch übermäßigen Gebrauch negativ wirkte – wir werden es vermutlich nie erfahren.

Verbreitung und Auswirkungen

Die Auswirkungen des Lockdowns von Schulen und Universitäten, Büros und Banken begannen mit weniger Verkehr, blauerem Himmel und vielen Verwirrungen. Banken und sogar bestimmte Bankfilialen waren nicht immun gegen das mit Corona verbundene Stigma. Bankangestellte wurden Corona-positiv und gingen infolgedessen in Quarantäne. AFP hat eine Reihe falscher Bilder und Social-Media-Beiträge überprüft, die auf verschiedene Banken abzielen. In gewisser Weise nutzte Corona das Misstrauen gegenüber dem Umgang mit Geldscheinen. AFP überprüfte den Wahrheitsgehalt von Nachrichten über verschiedenen Banken, die zur Zielschiebe durch Beiträge mit Texten wurden wie:

„Drei Mitarbeiter der ABC-Bankfiliale positiv auf Corona getestet. Bankfiliale geschlossen“

Auch Bildungseinrichtungen waren gegen diese Art von Posts nicht immun:

„Wir möchten alle Studenten der verschiedenen Universitäten darüber informieren, dass wir beschlossen haben, alle Online-Kurse abzubrechen, und vor allem, dass alle Prüfungen abgesagt wurden.“

Wo die Fact Checker nicht schnell genug waren, waren es die Organisationen oder Universitäten selbst, die ihre offiziellen Kommunikationskanäle nutzten und solche Fake News entlarvten.

Die größte Auswirkung war jedoch, dass die Diskussion über die Infrastruktur des Gesundheitswesens im Vordergrund stand. Jede Art von Nachricht (sowohl falsche als auch authentifizierte) erzeugte Angst und Misstrauen, brachte die Menschen jedoch dazu, Fragen zu stellen, die sie sonst nicht gestellt hätten.

Quelle: https://factcheck.afp.com/pakistani-bank-said-no-employees-had-tested-positive-covid-19-and-its-branches-remained-open

Fazit

Die Verbreitung von Fake News während der Corona-Virus-Pandemie brachte das Thema auf, wie Fehlinformationen in den Mainstream-Medien bekämpft werden können. Nachfolgend ein Auszug aus dem von der Digital Rights Foundation verfassten „Handbuch zu Fake News während COVID-19“, das dieses Phänomen in Pakistan perfekt zusammenfasst:

„Nach der Pandemie war der Anstieg von Fake News auf WhatsApp so hoch wie nie zuvor. Durch zahlreiche Fake News durch das Weiterleiten von Nachrichten online wurden die Bürger in Bezug auf die Epidemie irregeführt, und die meisten Menschen sind sich unsicher, was sie tun sollen. Die Regierung hat eine Website mit dem Titel www.covid.gov.pk gestartet, um die Verbreitung von Fake News im Internet weiter einzudämmen. Die Website informiert über die aktuelle Anzahl der Fälle im Land. Außerdem gibt es einen Abschnitt ‚Mythen über COVID-19‘, der sich auf die verschiedenen Mythen konzentriert, die über das Virus verbreitet werden. Einer davon ist, dass das Virus durch den Verzehr von Knoblauch gestoppt werden kann und das Virus durch Mückenstiche übertragen wird.“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle sich an der Gewährleistung der Informationsfreiheit und der Wahrung ihrer Integrität beteiligten: von Regierungsinstitutionen wie dem National Institute of Health, welches aktualisierte Informationen teilt, bis hin zu Twitter-Handles verschiedener Stadtverwalter, die Details zu „Smart Lockdowns“ austauschen und sich bemühen, Kontaktverfolgungen durchzuführen und gefälschte Tweets zu widerlegen.

Online Fact Checker Sachee Khabar, ein Novum in Pakistan, kämpft seit mehr als einem Jahr entschlossen gegen Desinformation in den sozialen Medien, insbesondere in der Urdu-Sprache. Abgesehen von @AFPFactChecker, sind die bestätigenden Informationen, die in sozialen Medien geteilt werden, Sache der betroffenen Organisation – sei es eine Bank, ein Krankenhaus oder ein Bildungsinstitut – und den einzelnen Bürgern selbst.

Wie Ramsha Jahangir, ein Datenjournalist, in diesem Dawn-Artikel schrieb: „Nicht sicher? Nicht teilen!"