Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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SNOPES und ein Ende der „Fake News“

SNOPES ist die älteste unabhängige Fact Checking-Website der USA. Trotz ihres bahnbrechenden Erfolges warnt der Gründer vor vorschnellem Jubel und der falschen Verwendung des Begriffs „Fake News“.

David Mikkelson ist das Lächeln vergangen. Obwohl er und seine Mitarbeiter so viel zu tun haben wie niemals zuvor. Firmen wie Facebook ziehen sie als Partner heran, allein im Juli 2020 zählt seine Seite etwa 30 Millionen Zugriffe. Für Mikkelson kein Grund zum Feiern. Früher schwärmte der 60-jährige Gründer von snopes.com für seinen Job. Er hatte Spaß daran, frei erfundene oder phantasievoll ausgeschmückte Geschichten im Internet zu entlarven. Damals, als man sie noch langläufig „Urban Legends“ oder schlicht „Folklore“ nannte. Damals, im ersten Jahr von Snopes, 1994. Heute sieht die Realität anders aus.

TRUE. FALSE. MIXTURE. 

Snopes hat sich zu einem der wichtigsten unabhängigen Fact Checking-Dienste der USA entwickelt. Zum einen liegt das an der pedantischen Detailliebe, mit der das 15-köpfige Team um Mikkelson Falschmeldungen entlarvt und einordnet. Zum anderen an der leicht zugänglichen und transparenten Aufarbeitung der Ergebnisse. Auf einen Blick kann der User sehen, ob eine Schlagzeile, ein Meme oder ein Post „wahr“, „falsch“ oder „teilweise wahr“ ist. Dann folgt die lückenlose Beschreibung des Rechercheweges. Originalquellen wie Gerichtsakten oder Senatsbeschlüsse, werden sichtbar gemacht und erklärt. Für Mikkelson, selbst Programmierer der ersten Stunde, ist es ein Leichtes, Dokumente und Akten im Netz zu finden – auch wenn das Auskunftsrecht gegenüber Journalisten von Behörden in einigen US-Bundesstaaten kreativ ausgelegt wird.

Trotz aller Fachkompetenz, trotz allen Lobes von etablierten TV-Stationen und Redaktionen: Mikkelson ist frustriert. Wie er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk zugibt, könne er mit der Fülle an Falschmeldungen und politisch motivierter Desinformation nicht mehr Schritt halten:
„Das endet nie. Je mehr Artikel wir veröffentlichen, umso häufiger poppen wieder neue Falschnachrichten auf. Es ist kein Ende in Sicht.“

Ende der „Fake News“

Ein Trend, der sich bereits vor Corona abzeichnete: Leser können Anfragen an Snopes stellen. Seit Donald Trump im Jahr 2016 in seinem Wahlkampf den Begriff „Fake News“ geprägt hat, ist die tägliche Anzahl der Zuschriften explodiert. Mikkelson wehrt sich gegen den Ausdruck. „Fake News“ sei zu einer Vokabel geworden, die alles bezeichne, was dem Präsidenten nicht in den Kram passe.
Ganz gleich, ob es sich um unliebsame Schlagzeilen, Fakten oder Twitter-Kommentare handele. Mikkelson verwendet nun lieber das Wort „Desinformation“, da es eine willentliche Falschmeldung und deren Verbreitung beschreibt.

Wer checkt Fact Checker?

Auch auf anderen Gebieten bittet Mikkelson um Vorsicht. Denn er weist auf seiner Website darauf hin, dass sie das Fact Checking für Facebook und Twitter übernehmen beraten und den Wahrheitsgehalt von Posts für sie prüfen.
Zugleich bemängelt er das Verhalten der Social-Media-Unternehmen, die die Verantwortung an externe Partner abgeben und nur schleppend an Lösungen arbeiten. Der Grund: Sie seien immer noch von Werbegeldern und Aufmerksamkeit abhängig. So hätten sie sich weder gegen illegale Werbe-Anzeigen und Lockangebote, noch gegen Desinformation gewehrt, solange die dazugehörigen Posts nur ausreichend Interaktionen generiert oder die Auftraggeber gezahlt hätten.

Laut Mikkelson gebe es keine Gatekeeper mehr, der vor der Veröffentlichung zwischen verifizierten Nachrichten und Desinformation unterscheide. Fact Checking sei in vielen Fällen eine nachgeschobene Korrektur. 
Neben einer pessimistischen Einschätzung Mikkelsons zur Lage in den USA, muss der Stellenwert von Sozialen Netzwerken weiterhin gewürdigt werden. Denn gerade in Staaten, in denen die Presse- und Meinungsfreiheit durch Zensur und Druck eingeschränkt wird, bleiben Social Media-Kanäle wichtige Informationsquellen und Plattformen für kritische Stimmen.