Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Sri Lankas Kampf gegen die ‚Infodemie‘ inmitten einer Pandemie

Sri Lanka meldete Anfang Februar 2020 seinen ersten COVID-19-Fall. Es folgte ein rapider Anstieg der Fallzahlen zwischen März und Mai. Die Gesundheitsbehörden waren jedoch in der Lage, die Situation in den Griff zu bekommen, und heute steht das Land besser da als viele seiner Nachbarländer.

Bisher gab es in Sri Lanka nur 3.012 Fälle von denen 144 akut an COVID-19 erkrankt sind (laut Ada Derena, Stand 31. August).

Sri Lanka konnte die Ausbreitung des Virus verlangsamen, doch wie viele andere Länder sieht es sich zudem mit einer ‚Infodemie‘ konfrontiert, die nur schwer zu kontrollieren ist. Daraus hat sich ein Kampf an zwei Fronten ergeben: im Bereich der Medizin und der Information. Die Infodemie behindert die Bekämpfung des Virusausbruchs. Einige Websites aus Sri Lanka, die Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen (http://www.factcheck.lk/), überwachen und bewerten die Stichhaltigkeit von veröffentlichten Inhalten. Irreführende Nachrichten beeinträchtigen die ordnungsgemäße Identifizierung und Behandlung von Patienten.

Im Fall von Sri Lanka gibt es zwei Arten von Quellen der Desinformation: (i) die Mainstream-Medien, die vorsätzlich Desinformationen erstellen und verbreiten; und (ii) Websites und Social-Media-Nutzer, die Desinformationen erstellen, die von vielen Nutzern ohne jegliche kritische Bewertung geteilt werden. Desinformation führt zu Unsicherheit, Panik und Angst in der Bevölkerung und lässt Zweifel an den von der Regierung ergriffenen Initiativen zur Bekämpfung des Virusausbruchs aufkommen. Desinformation wurde auch durch die politische Lage des Landes geschaffen, das einen Wahlkampf mit anschließenden Parlamentswahlen erlebte. Die Regierung teilte mit, dass sie einige einzelne Gruppen identifiziert hat, die in sozialen Medien falsche Informationen über COVID-19 verbreiten und die Richtlinien des Gesundheitsministeriums gegenüber der Bevölkerung falsch auslegen.

Desinformation und Verschwörungstheorien waren im Überfluss vorhanden und wurden in den Mainstream- und sozialen Medien auf verschiedene Arten verbreitet. Beispiel dafür sind: Die Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit eines großflächigen Virusausbruchs in Sri Lanka angesichts des tropischen Klimas des Landes gering wäre. Die Überzeugung, dass die Verfasser über ein Immunsystem verfügen, das stark genug ist, um das Virus zu bekämpfen. Andere wiederum glaubten, das Virus würde nur saisonal auftreten.

Sri Lanka ist ein beliebtes Ziel für Ayurveda-Anwendungen. Doch während der COVID-19-Pandemie hatten einige ayurvedische Anwendungen negative Auswirkungen auf Patienten, die gehofft hatten, eine Behandlung zum Schutz vor Covid-19 zu erhalten. Um der Desinformation und den Fake News entgegenzuwirken, führten die Gesundheitsbehörden erfolgreich Aufklärungskampagnen über die Verbreitung des Coronavirus durch.

Etliche Artikel in den sozialen Medien und im Internet vermittelten ein negatives Bild von den Bemühungen der Regierung zur Eindämmung des Coronavirus-Ausbruchs: Sie kritisierten die Verwendung von Schutzmasken, verbreiteten Falschinformationen über den Quarantäneprozess und äußerten sich kritisch zu den Maßnahmen zur Krisenbewältigung der Regierung.

Die Dienste zur Überprüfung der Fakten in Sri Lanka befassen sich derzeit mit den Desinformationen im Zusammenhang mit COVID-19. In der gegenwärtigen Situation sind jedoch auch die Kapazitäten der Faktenüberprüfer begrenzt, weshalb sie Nachrichten ausgehend von ihrem Potenzial, der Öffentlichkeit zu schaden und die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, priorisieren müssen. Die Leser können die Glaubwürdigkeit eines Nachrichtenartikels überprüfen, indem sie Websites zur Überprüfung von Fakten besuchen, wie (http://factcheck.lk/, https://factcheck.afp.com/afp-sri-lanka, http://www.dailymirror.lk/fact-check/328). Die Website factcheck.lk ist eine Initiative von Verité Research, einer Organisation, mit der die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in naher Zukunft zusammenarbeiten wird. Doch die Überprüfung der Fakten reicht allein nicht aus, um die Infodemie zu bekämpfen.

Während die Regierung Sri Lankas einerseits die Pandemie bekämpfte, ergriff sie andererseits verschiedene Maßnahmen, um die Situation unter Kontrolle zu bringen:

· Tägliche Veröffentlichung offizieller epidemiologischer Daten für die Bevölkerung, ohne persönliche Informationen der Patienten preiszugeben.

· Verhaftung und Einleitung von Strafverfahren gegen Personen, die Falschmeldungen und Desinformationen erstellen und veröffentlichen. Bisher wurden keine Maßnahmen gegen die Mainstream-Medien ergriffen, was zu einem Ungleichgewicht bei den Reaktionen der Regierung auf Desinformationen führte.

· Ergreifung von Maßnahmen im Rahmen der bestehenden Gesetze in Sri Lanka ((Änderung des) Strafgesetzbuchs, Nr. 16 von 2006), da es kein spezielles Gesetz zur Bekämpfung von Desinformation gibt.

Auf lange Sicht reichen diese auf Faktenprüfung basierenden Maßnahmen allein nicht aus, um der Desinformation entgegenzuwirken. Es sollte ein ganzheitlicher und integrierter Ansatz verfolgt werden, der sich auf digitale Kompetenz und Medienkompetenz konzentriert, damit die Bevölkerung Desinformationen eigenständig vermuten, erkennen und hinterfragen kann. Ferner sind Journalisten und Medien erforderlich, die Informationen und persönliche Ansichten klar voneinander trennen, sodass sich die Leser ihre eigene Meinung bilden können.