Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Schräger als Fiktion

Die Grenzen zwischen fiktionaler Erzählung und Fake News scheinen während der Corona-Pandemie gänzlich aufgehoben. So beweisen Verschwörungstheoretiker ihre Thesen mit Szenen aus Hollywood-Blockbustern. Und schüren so Panik und Skepsis. Drei Beispiele

Drehbuchautoren lassen sich von wahren Begebenheiten inspirieren. Und Fake News-Produzenten von Drehbuchautoren. Eine Wechselwirkung, die besonders in Krisenzeiten immer offensichtlicher wird. Wie aus reinen Entertainment-Produkten gefährliche Lügen werden können, die sogar in Nachrichten-Portalen landen, belegen diese drei Beispiele

1. “Contagion” (2011)

Steven Soderberghs Katastrophen-Drama über eine tödliche Pandemie, die von einer infizierten Fledermaus ausgelöst wird, ist aktuell einer der am meisten gestreamten Filme auf Amazon Prime und iTunes. Wenig verwunderlich. Contagionillustriert in verstörenden Szenen die verheerenden Folgen der Krankheit. Leergefegte Straßen. Massengräber. Anscheinend so realistisch gemacht, dass die Bilder in China und Indien seit Februar 2020 immer wieder als Nachrichten-Beitrage geteilt werden.

2. “Fear and Loathing in Las Vegas” (1997/1971)

Adrenochrom. Der Stoff aus dem die Träume sind. Zumindest die des US-amerikanischen Moderators Alex Jones und des deutschen Sängers Xavier Naidoo. Als glühende Verfechter des Mythos, eine geheime, politische „Elite“ würde in satanistischen Ritualen Kinder opfern, um die Substanz zu gewinnen, bekommen sie nicht nur aus extremen Kreisen immer mehr Aufmerksamkeit. Kürzlich berichtete auch das bulgarische Nationalfernsehen von einem Vorfall mit dem körpereigenen Hormon: Der Beitrag wurde stark verkürzt und verfremdet auf dem Messenger Signal als Beweis für die angebliche „Weltverschwörung“ präsentiert.
So weit, so abwegig.
Die Tatsache, dass Adrenochrom frei erhältlich ist und seine angebliche psychoaktive Wirkung allein auf den Film „Fear and Loathing in Las Vegas“ zurückzuführen ist, wird von empörten Fake News-Anhängern geflissentlich ignoriert. Der Autor Hunter S. Thompson dichtete in seiner Romanvorlage zur Drogen-Komödie dem Hormon eine psychoaktive Wirkung an und verglich es mit LSD oder Meskalin. Was er im Audio-Kommentar zum Film offen zugibt. Medizinisch verifizierte Beweise? Gibt es nicht.
Trotzdem steht fest: Adrenochrom beflügelt die Phantasie. (Ursprüngliche Szene/Faktencheck)

3. “Load Wedding” (2018)

Es braucht keine Narrative über Seuchen und Geheimgesellschaften, um gefährliche Halbwahrheiten zu verbreiten. Subtile Fälschungen entpuppen sich oft als die gefährlichsten. Das zeigt ein Beispiel aus Pakistan, das zuerst von einem indischen Nachrichtenportal aufgedeckt wurde:

Der pakistanisch-kanadische Autor Tarek Fatah macht auf Twitter Stimmung gegen die in Indien lebende muslimische Minderheit und unterstützt Gerüchte über Angriffe auf Hilfsorganisationen in seinem Heimatland.

So postete er einen Clip, in dem eine pakistanische Mutter Mediziner angreift, um die Polio-Impfung ihres Kindes zu verhindern. Der Clip verbreitete sich schnell in Indien und wurde als Beweis für die kursierenden Gerüchte gewertet.
Es stellte sich heraus: Die Szene stammt aus der pakistanischen Komödie „Load Wedding“.

(Tarek Fatah/Faktencheck)