Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Stärkere Allianz von Zivilgesellschaft und Medien in Asien zur Bekämpfung der Infodemie gefordert

Die Stärkung der Rolle der unabhängigen Medien und der Zivilgesellschaft sowie die Förderung von präziser Berichterstattung und Medienkompetenz auf lokaler und nationaler Ebene sind im Kampf gegen die Infodemie zu Zeiten von COVID-19 von zentraler Bedeutung – so die einhellige Meinung von Journalisten und Rechtsanwälten in Asien.

Laut den Referenten des Webinars „Umgang mit der COVID-19-Infodemie in Asien“ ist die Rolle der Medien und der Zivilgesellschaft heute gewichtiger denn je. Neben der Berichterstattung über die Pandemie wird auch die Transparenz in der öffentlichen Debatte über Maßnahmen und Reaktionen der Regierung auf die derzeit herrschende Gesundheitskrise und das Durchgreifen der Staaten bei der Ausübung ihrer Befugnisse und der Umsetzung dieser Maßnahmen gewährleistet.

Das Seminar, das von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) Thailand, dem Zentrum für humanitären Dialog (HD), der thailändischen Stiftung für Gesundheitsförderung und dem sozialen Unternehmen ChangeFusionorganisiert wurde, fiel zeitlich mit dem offiziellen Start des Chatbots Cofact.org in Thailand zusammen, der kollaborativen Initiative zur Faktenüberprüfung, die aus dem in Taiwan entwickelten Programm ziviler und technischer Faktenprüfer Cofact übersetzt worden war, um die Verbreitung von Fake News über das Internet in Thailand zu bekämpfen.

Die regionale Online-Diskussion entspringt der wachsenden Besorgnis über die Auswirkungen der Desinformation und der Hasstiraden, die im Zusammenhang mit der Pandemie die wirkungsvolle Kontrolle des Ausbruchs und die bereits bestehenden Konflikte anprangern, mit denen die Länder in der Region konfrontiert sind. Die Regierungen Thailands, der Philippinen, Malaysias, Indonesiens und Südkoreas haben bereits in unterschiedlichem Maße Notstandsmaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ergriffen, die Anlass zur Befürchtung geben, dass diese Schritte unverhältnismäßig sind, die Redefreiheit einschränken und das Recht der Menschen auf Privatsphäre untergraben.

Auf den Philippinen hat das National Bureau of Investigation (NBI) bis zum 2. April siebzehn Vorladungen wegen „Fake News“ ausgesprochen. In Indonesien geht die Polizei unter Berufung auf die „staatliche Erklärung des nationalen Notstandes“ gegen Meinungsäußerungen im Internet vor und hat dabei nicht nur Kommentare im Visier, die soziales Chaos verursachen oder Verwerfungen befürchten lassen, sondern auch Nachrichten, die die Regierung angreifen. Die thailändischen Behörden verhängten bereits Strafen gegen einen Facebook-Nutzer, der die Flughafenkontrollmaßnahmen der Regierung als unangemessen kritisierte, und untersagten Journalisten die Berichterstattung über Vorfälle während der Ausgangssperre.

Am virtuellen Runden Tisch versammelten sich Marites Vitug, Chefredakteurin des philippinischen Online-Nachrichtennetzwerks Rappler, Premesh Chandran, CEO und Gründer des malaysischen Online-Magazins Malaysiakini, Endy Bayuni, leitender Redakteur der nationalen englischsprachigen indonesischen Tageszeitung The Jakarta Post, Supinya Klangnarong, Mitbegründerin von Cofact.org, Dr. Christian Taaks, Projektleiter der FNF Korea, und Adam Cooper, Senior Programme Manager für Cyber-Mediation vom Zentrum für humanitären Dialog.

Die Diskussion, die von Frederic Spohr, Büroleiter der FNF Thailand und Myanmar, moderiert wurde, beschäftigte sich mit der Reaktion der Regierung und der Gesellschaft einschließlich der Medien auf den Ausbruch der Viruserkrankung sowie ihrem bisherigen Umgang mit der Desinformation.

In Thailand war die Verbreitung von Falschnachrichten im Gesundheitsbereich schon lange vor COVID-19 ein Problem. Klangnarong zufolge spitzte sich die Situation zu, da die Regierung ihre Antworten auf den Ausbruch nicht eindeutig genug kommuniziert hätte, was in der Öffentlichkeit zu Verwirrungen und in einigen Bereichen zu Missverständnissen und Widerstand geführt habe.

Zwar habe sich die Aufklärung durch die Regierung deutlich gebessert, jedoch brauche die Gesellschaft unterstützend eine überparteiliche Gemeinschaft von Faktenprüfern, bestehend aus Vertretern der Zivilgesellschaft und der Medien sowie Einzelpersonen. „Ich bin nicht der Meinung, dass die Regierung im Kampf gegen Fake News die zentrale Instanz sein sollte (so wie es jetzt der Fall ist), obwohl die Regierung natürlich das Recht hat, Antworten zu geben, die ihre Politik und deren Umsetzung in Bezug auf den Umgang mit der Krise betreffen“, sagte Klangnarong.

Auf den Philippinen bezeichnet Vitug die Situation als „den perfekten Sturm“, dem Journalisten ausgesetzt sind, denn sie sollen einerseits sowohl über die Corona-Pandemie berichten als auch gegen die Desinformation ankämpfen und andererseits das Grundrecht der freien Meinungsäußerung verteidigen. Ganz ähnlich wie die Aussage zu Thailand bestätigte auch Vitug, dass sich eine Vielzahl der Desinformationen um die Therapie und Heilung der vom Coronavirus ausgelösten Erkrankung COVID-19 rankten. Sie führte vier Kategorien von Falschnachrichten auf: Neben Fehlinformationen über Politiker, über Maßnahmen der Regierung und Botschaften zum Schüren von Angst und Diskriminierung beunruhigten sie vor allem die Informationen des obersten Trios aus Präsident Duterte, seinem Gesundheitsminister und seinem Sprecher. Auf deren Konto gingen zahlreiche Falschaussagen, die in erster Linie darauf abzielten, den Umgang der Regierung mit der Gesundheitskrise zu legitimieren. So behauptete Duterte unter anderem, er habe zu Beginn vor dem Coronavirus gewarnt, tatsächlich hatte er jedoch verlauten lassen, dass die Philippinen nur wenige Fälle zu verzeichnen hätten.

Laut der Redakteurin habe die Gemeinschaft der Faktenprüfer aktiv und energisch im Kampf gegen das Informationschaos reagiert. Es gibt bereits zwei Medienorganisationen, die in Kooperation mit Google, Rappler und Vera Files das Heft in die Hand genommen haben. Auch die von der Zivilgesellschaft in Zusammenarbeit mit Vera Files betriebene Facebook-Community, die sich der Faktenprüfung verschrieben hat, war bereits lange vor dem Ausbruch des Virus aktiv. Sorge bereiten ihr jedoch die Desinformationen, die sich über nicht öffentliche Messaging-Apps verbreiteten.

In Malaysia, so Chandran, hätten die Medien und die Zivilgesellschaft eine gewichtige Rolle dabei gespielt, die Regierung für die Politik und die Maßnahmen zur Eindämmung der Gesundheitsgefahren in die Verantwortung zu nehmen. Dazu gehörte auch ihr Bestreben, Online-Diskussionen zu Zeiten von COVID-19 in Schach zu halten. „Das Internet war regelrecht in Aufruhr, die politischen Reaktionen der Regierung wurden von der Zivilgesellschaft auf breiter Front abgelehnt, so dass später manche Maßnahmen zurückgenommen mussten“, so Chandran. Auch die Öffentlichkeit trug ihren Teil dazu bei, indem sie korrekte Informationen über die Pandemie weitergab. Für den CEO der Malaysiakini ist es nun das Hauptanliegen, dass die Medien hinreichend über die Pandemie berichten können und gleichzeitig einer Infodemie entgegenwirken. Nach seiner Aussage hätten die Medien bereits vor der Pandemie finanziell gelitten, zudem habe der beschränkte Zugang zu staatlichen Quellen im Rahmen der Kontrollmaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie in Malaysia Journalisten daran gehindert, in direkten Kontakt mit Politikern und Entscheidungsträgern zu treten.

In Indonesien ist die Verbreitung von Fake News zu COVID-19 weniger akut als im Wahljahr 2019, das durch eine Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft gekennzeichnet war. Nach Aussage Bayunis wirke die Regierung ebenso wie private Organisationen vielmehr aktiv an der Unterbindung von Falschmeldungen und Verschwörungstheorien mit. Das Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie habe vom 23. Januar bis zum 6. April 1.096 Posts über COVID-19 geahndet. Facebook löschte 303 von 759 Posts, Twitter und Instagram gingen bei 53 von 321 bzw. 3 von 10 Nachrichten genauso vor. Verschiedene Nachrichtenredaktionen tauschten informell Informationen über die Pandemie aus und überprüften ihre Richtigkeit vor der Veröffentlichung in den Nachrichtenagenturen. Bayuni bezeichnete es als notwendig, dass die Medien jetzt ihren Berufs- und Ehrenkodex strikt einhalten, um die Richtigkeit und Ausgewogenheit der recherchierten Informationen zu gewährleisten und die Staatsmacht gegenüber der Öffentlichkeit in ihre Verantwortung zu nehmen.

In Südkorea hatten die Falschnachrichten über die Pandemie dank der schnellen und konsequenten öffentlichen Kommunikation der Regierung keine großen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Taaks berichtete, dass die lokalen Behörden ihre eigenen Websites und Blogs betreiben würden und darüber die Öffentlichkeit täglich auf dem Laufenden hielten. Außerdem gebe es eine gemeinsame Initiative zur Faktenprüfung unter Federführung der South Korea National University in Partnerschaft mit dem staatlichen Zentrum für Krankheitskontrolle – vertrauenswürdige Medienkanäle, die daran arbeiten, Fake News über COVID-19 zu entlarven.

„Schlüssel zum Erfolg der Regierung bei der Bewältigung der Krise sind die ,4 T‘, denn in ihnen liegt das Vertrauen der Bevölkerung: Transparenz, Tests, Tracking und Treatment“, so Taaks.

Cooper vom Zentrum für humanitären Dialog äußerste seine tiefe Besorgnis über die Zunahme von Hasstiraden in sozialen Medien in Zeiten von COVID-19, wobei diese nicht nur in diesen Ländern, sondern rund um den Globus zu beobachten sei.

Er konstatierte, dass ein Teil der Regierung und der Öffentlichkeit die Auswirkungen dieser Infodemie auf bereits bestehende Konflikte unverhältnismäßig stark in den Fokus stelle und dagegen die internationale Politik der Verbreitung von Hasstiraden und diskriminierenden Äußerungen, die sich gegen Minderheiten und religiöse Gruppen in den von den Konflikten betroffenen Gebieten oder Regionen richten, weniger Aufmerksamkeit schenke. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dies ein ernsthaftes Potenzial birgt, die bereits bestehenden Konflikte und Spannungen zu verschärfen“, sagte er. Es käme für ihn nicht überraschend, wenn das Virus zunehmend im Kontext mit Muslimen auftauchen und dieser Trend in den kommenden Wochen noch mehr Fahrt aufnehmen würde.

Zur Bewältigung der Informationskrise fordert er die verstärkte Ausbreitung gesicherter Informationen, beispielsweise die Heranziehung der Informationspakete der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als maßgeblicher Instanz in den Mainstream-Medien, denn eine der Möglichkeiten sei deren Aufwertung in den Nachrichten. Die Verbreitung in der jeweiligen Landessprache abgefasster Inhalte in den Konfliktgebieten mit Betonung der Relevanz für den jeweiligen lokalen Kontext sowie in diesem Zusammenhang die Kooperation mit lokalen Organisationen, die sich das Vertrauen der ortsansässigen Bevölkerung erworben haben, seien kreative Ansätze.