Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

Sprache auswählen:

Die Blase zerplatzt

Was tun, wenn Falschnachrichten entlarvt werden? Schamlos bedient sich Boris Johnson im Wahlkampf erfundener Fakten, um Stimmung für den Brexit und gegen seine politischen Gegner zu machen. Und beweist dabei ungeahnte SEO-Kompetenz. Über die langen Nachwirkungen einer Desinformations-Blase.

Bereits als Redakteur und Kolumnist war Großbritanniens Premier Boris Johns für seine reißerischen Thesen bekannt. Während seiner Kampagne zum Brexit-Referendum und des Wahlkampfes im Jahr 2019 fütterte er sie jedoch wiederholt mit frei erfundenen Fakten, Fälschungen und sogar einem eigenen „Fact-Checking“-Portal an.

Plakatives Beispiel? Johnsons Kampagnen-Bus, mit dem er auf Tour ging. Auf dem Mobil prangte zwei Stockwerke hoch der Satz: „We send the EU £350 million a week, let’s fund our NHS instead“.
Eine Parole, die während der Brexit-Kampagne schnell rasant weiterverbreitet wurde. 350 Millionen Pfund. Die Zahl wurde zu einem geflügelten Argument für Gegner eines geeinten Europas. Das Problem: Sie war nicht nur irreführend, sondern schlichtweg falsch. Das gibt sogar Nigel Farage, damals noch Vorsitzender der antieuropäischen UKIP, offen in einem Live Interview zu.

Johnsons Popularität tat diese Tatsache keinen Abbruch. Und noch heute glauben nach einer Umfrage des King’s College London rund 42 Prozent der Briten, dass der Betrag korrekt ist. Bei 67 Prozent der aktiven Wähler in Großbritannien ist die Behauptung bekannt.

Johnsons Reaktion auf die entlarvenden Aussagen zeugte von unerwarteter Online-Kompetenz: Direkt ging er nie auf die Vorwürfe der Journalisten ein und umschiffte das Thema. Bis er der britischen Zeitung THE GUARDIAN ein Interview gab, in dem er alles zurechtrücken wollte. Jedoch nur für sich selbst. Nicht für die Öffentlichkeit.
Auf die profane Frage: „Was machen Sie, um sich in Ihrer Freizeit zu entspannen?“, antwortete der Premierminister verwirrend: „Ich baue Sachen. Ich baue Modellen von Bussen.“

In detaillierten und scheinbar zusammenhangslosen Sätzen beschreibt Johnson sein Hobby und lässt einen irritierten Interviewer zurück. Boulevard-Blätter titelten über das skurrile Gespräch. Und erreichten damit genau das, was Johnson wohl geplant hatte: Auf Google verschoben sich die Suchergebnisse zu seinen Gunsten. Weg von den (für ihn) unangenehmen Meldungen über Johnsons Kampagnen-Bus, hin zu seinem witzigen Bus-Interview.
Eine gezielte Manipulation, um Falschnachrichten zu verschleiern.

Doch Johnson baut seine „Fake News“-Strategie weiter aus: Neben vielen Falschaussagen machte Johnsons Partei erst kürzlich wieder Furore: BBC-Beiträge, die ursprünglich kritisch über die Politik der Tory-Führungsspitze berichtet hatten, wurden so umgeschnitten, dass ihre Aussage ins Gegenteil verkehrt wurde. Die Videos wurden als Wahl-Werbung ausgespielt.

Auch bewusste Irreführungen auf Webseiten zählen zu seinem Repertoire. So nutzt die Tory-Partei einen Trend aus, den unabhängige Qualitäts-Medien etabliert haben: Fakten Checks.

Während Johnsons TV-Debatten änderte die Pressestelle der Tory-Partei Namen und Logo ihres Twitter-Accounts in „factcheckUK“. Sie verbreitete so unter dem Deckmantel der Neutralität Meinungen und „alternative Fakten“.

Zudem zahlte die Tory-Partei für Suchergebnisse auf Google. Wollte sich ein Wähler über das Labour-Wahlprogramm informieren, stieß er zuallererst auf eine Fake-Website, die nur das angebliche Manifest der Partei zeigte. Verfasst von der Pressestelle der Tories.
Ein Informationskrieg, den Boris Johnson nicht entfacht hat. Jedoch hat er ihn auf eine neue Ebene gehoben.