Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Die Verbreitung von Falschinformationen in Bulgarien

In den letzten Jahrzehnten war Bulgarien ein Testgebiet für Kampagnen mit Falschinformationen, einschließlich russischer Propaganda. Die falschen Nachrichten konzentrieren sich oft auf antiliberale Ansichten und stellen die EU als eine dysfunktionale Union dar, die am Rande des Zusammenbruchs steht. Was können wir daraus lernen?

Im November vergangenen Jahres leerten sich mehrere Schulen in Bulgarien innerhalb weniger Minuten, nachdem Eltern ihre Kinder aus den Klassen geholt hatten, aus Angst, dass Sozialarbeiter ihnen die Kinder wegnehmen und möglicherweise zur Adoption ins Ausland geben. Es wurde schnell klar, dass diese Eltern Opfer einer Online-Kampagne mit Falschinformationen geworden waren.

Diese Panik in der Schule ist lediglich ein aktuelles Beispiel für eine Welle von gefälschten Nachrichten und Propaganda, die die Medienlandschaft in Bulgarien angesichts der Notlage der Medienfreiheit im Land seit Jahren plagt.

Dreißig Jahre nach dem Sturz des Kommunismus kämpft Bulgarien, das ärmste Mitgliedsland der Europäischen Union, um den Aufbau einer freien Presse. Laut dem Pressefreiheitsindex von 2019 von Reporter ohne Grenzen, in dem das Balkanland auf Platz 111 von 180 Ländern rangiert, hat Sofia die schlechteste Medienfreiheit innerhalb der Union. Die Presse, voll von Boulevardjournalismus, Hassreden und sensationellen Schlagzeilen, hat sich schnell zu einem fruchtbaren Boden für Unwahrheiten, Verschwörungstheorien und Falschinformationen entwickelt. Das Aufkommen der sozialen Medien katalysiert die Situation jetzt noch mehr.

Bulgarien ist historisch gesehen ein Land, das zwischen Ost und West hin- und hergerissen ist - es trat 2007 der EU bei, wobei es seit dem Niedergang der UdSSR seine traditionell guten Beziehungen zu Russland aufrechterhält - und ist ein Testgebiet für Kampagnen mit Falschinformationen, einschließlich russischer Propaganda. Oftmals konzentrieren sich solche Kampagnen auf anti-europäische und antiliberale Ansichten und stellen die Union als ein versagendes, höchst dysfunktionales System dar, das am Rande des Zusammenbruchs steht. Minderheiten im Land wie die LGBTQ-Gemeinschaft, Türken und Sinti und Roma waren ebenfalls oft Ziel verschiedener irreführender Behauptungen.

Es ist nicht überraschend, dass die Verbreitung von Falschinformationen vor und während der Wahlen zunimmt, um die Stimmen der Menschen zu beeinflussen.

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise konzentrierten sich die Bemühungen zur Verbreitung von Falschinformationen auf Angstmacherei im Hinblick auf Asylsuchende, die als Bedrohung für Europa, als „potenzielle Terroristen“, als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ und als Überträger von Krankheiten dargestellt wurden. Eine solche Anti-Flüchtlings-Rhetorik wurde sowohl von rechtsextremen als auch von Mainstream-Parteien weiter ausgenutzt, um billig zu punkten. Paradoxerweise gab es in Bulgarien im Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern nur eine geringe Anzahl an Asylbewerbern, aber das Thema war zusammen mit dem Gebrauch irreführender und falscher Behauptungen in den Medien vorherrschend.

Anders als in Westeuropa sind in Bulgarien auch unabhängige Journalisten Zielgruppe von Kampagnen mit Falschinformationen. Die Kontrolle über den Mediensektor durch lokale Geschäftsleute und Politiker hat einige Medien zu Werkzeugen gemacht, um kritische Stimmen, darunter investigative Journalisten, zu diskreditieren. Sie werden oft als Volksfeinde und Nationalverräter abgestempelt.

Die Verbreitung von Falschinformationen und Unwahrheiten stellt für Zielgruppen auf der ganzen Welt eine Herausforderung dar. Sofia bildet da keine Ausnahme. 40 Prozent der Bulgaren und mehr als die Hälfte aller Kinder im Alter von 9 bis 17 Jahren können laut einer Umfrage aus dem Jahr 2016 nicht zwischen wahren und falschen Informationen unterscheiden. Eine andere Umfrage, die ein Jahr später durchgeführt wurde, zeigt, dass ein Viertel der Bulgaren täglich mit falschen oder irreführenden Inhalten zu politischen Themen konfrontiert wird.

Zwar gab es sporadische Bemühungen einzelner Publikationen zur Überprüfung der Fakten, doch erwies sich die Bekämpfung gefälschter Nachrichten als schwierige Aufgabe, da Medienkompetenz und kritisches Denken in der Schule meist nicht vermittelt werden.