Über die Kampagne

Desinformation, Propaganda und “Fake News” hat es schon immer gegeben. Aber warum sollten wir uns darüber überhaupt Sorgen machen?

Was sie heute anders ist, ist ihre schnelle Verbreitung und globale Reichweite. Die Verbreitung falscher Informationen wird von den Gegnern der Freiheit absichtlich als Waffe eingesetzt. Sie wird benutzt, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in demokratische und staatliche Institutionen sowie die Medien zu mindern und soziale Spaltung, Ressentiments und Ängste zu verstärken.

Die Kampagne FreedomFightsFake ermutigt Bürgerinnen und Bürger rund um den Globus, sich kritisch mit dem Thema Desinformation auseinanderzusetzen.

Wie können wir erkennen, welche Behauptungen (absichtlich) falsch sind?
Auf welche Weise können wir dem globalen Phänomen der Desinformation begegnen?
Wie steht es um die Medienfreiheit in der Welt und wie können wir sie stärken?

Begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach Antworten unter und lassen Sie uns gemeinsam gegen Desinformation vorgehen!

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Wodurch Desinformation sich definiert

Wir haben die Effekte von Desinformation und der Corona-Pandemie auf den modernen Journalismus und die Art, wie die Medienlandschaft sich momentan ändert, mit dem serbischen Journalisten Aleksandar Milosevic diskutiert, der eine prominente Rolle in der Glaubwürdigkeitskrise des modernen Journalismus einnimmt.

1) Wenn Menschen über „Fake News“ oder besser „Desinformation“ reden, herrscht häufig eine Menge Verwirrung. Es ist dann unter anderem von Verzerrungen, Lügen, Täuschungen, Propaganda oder Verschwörungstheorien die Rede. Zur Klarstellung: Was halten Sie für die wesentlichen Elemente von „Desinformation“? Wodurch wird sie definiert?

Entweder sachlich falsche Informationen („Fake News“, also gefälschte Nachrichten, im wahrsten Sinne des Wortes) oder Informationen, die aus dem Zusammenhang gerissen der Öffentlichkeit unterbreitet werden, bei denen wesentliche Elemente der Informationen fehlen und gegenteilige Ansichten nicht berücksichtigt werden, die mit Voreingenommenheit präsentiert werden oder die Öffentlichkeit zur gewünschten Interpretation angegebenen Fakten gelenkt wird. Kurz gesagt, Desinformation sind alle Informationen, die unvollständig, falsch ausgelegt werden und falsch sind oder so dargestellt werden, dass es dem Empfänger erschwert wird, sich anhand der Fakten und Umstände des Falls ein freies Urteil zu bilden.

2) „Fake News“ oder „Desinformation“ sind historisch betrachtet keine neuen Phänomene. Ihr Einfluss und ihre Macht sind jedoch aufgrund des Internets und des enormen Wachstums der sozialen Medien sprunghaft gestiegen. Der Satz: „Fake News sind immer nur einen Klick weit entfernt“ fasst es recht gut zusammen. Wird sich der Qualitätsjournalismus vor dem Hintergrund dieser Entwicklung noch behaupten können?

Ich glaube, das wird er und führe Covid-19 als (hoffentlich) Beweis dafür an. In Serbien beispielsweise hat die Pandemie dazu geführt, dass die Auflagen der meisten Zeitungen zurückgegangen ist. Boulevardzeitungen, die Art von Medien, die am häufigsten mit Fake News zu tun haben, waren davon durch den starken Rückgang bei der Anzahl der verkauften Exemplare am schlimmsten betroffen. Die einzigen Ausnahmen sind die seriösesten und vertrauenswürdigsten Kanäle, die es geschafft haben, ihre Auflagen konstant zu halten und in einigen Fällen mehr als vor Covid zu verkaufen, was darauf hinweist, dass sich die Menschen Krisenzeiten immer noch dem Qualitätsjournalismus zuwenden und minderwertigen Quellen den Rücken kehren. Online verzeichneten hochwertige Medien einen noch stärkeren Anstieg der Besucherzahlen.

Ich glaube jedoch, dass Fake News auch nicht verschwinden werden. Die Geschwindigkeit des Internets und der sozialen Medien mit der Möglichkeit, die und schockierenden gefälschten Nachrichten zu „teilen“, sowie der Druck auf die traditionellen Medien, mit dem hektischen Nachrichtenzyklus Schritt zu halten, bedeutet, dass es für diese zunehmende Problem keine einfache Lösung geben wird.

3) In dieser Debatte wird immer von „Medienkompetenz“ gesprochen. Was empfehlen Sie Ihren Lesern oder der Bevölkerung im Allgemeinen: Wie kann man im Treibsand der Informationen noch zwischen seriös und unseriös, wahr und falsch unterscheiden?

Was die Medien betrifft, heißt es „back to the basics“: Bewerten Sie die Glaubwürdigkeit der Quelle, versuchen Sie, die „virale“ Story bis zu ihrer Wurzel zurückzuverfolgen, überprüfen Sie die Fakten und verifizieren Sie diese, bevor Sie sie veröffentlichen. Versuchen Sie, dem Drang zu widerstehen, einfach auf den Zug aufzuspringen, aus Angst, hinter ihre Wettbewerber zurückzufallen. An die Leser: Ihr Gehirn ist ein mächtiges Werkzeug, also benutzen Sie es. Glauben Sie nicht einfach alles, was Sie lesen. Ergibt es Sinn? Widerspricht es dem, was Sie woanders gelesen haben? Wenn ja, versuchen Sie herauszufinden, welche der beiden Storys trägt. Für gewöhnlich können nicht beide stimmen. Journalisten versuchen, für ihre Storys mehrere unabhängige Quellen zu finden. Gehen Sie also genauso vor: lesen Sie ein paar verschiedene Zeitungen, mit jeweils unterschiedlicher redaktioneller Linie, damit Sie eine breitere Perspektive erhalten. Je mehr ein Kanal einen schockierenden Ansatz verfolgt, desto weniger sollten Sie ihm Vertrauen schenken. Wenn Sie einfach irgendwo im Internet etwas lesen, behandeln Sie es bestenfalls als Gerücht – nie als vertrauenswürdige Information, die wahr ist.

4) „Fake News“ wird oft als politischer Begriff verwendet, um unangenehme Berichterstattung zu diskreditieren. Wie ist die Situation in Serbien? Welche Strategie verfolgt die Regierung Ihrer Meinung nach in diesem Zusammenhang?

Es gab solche Fälle in Serbien, bei denen die vollständig auf Fakten basierende Berichterstattung einfach als Fake News bezeichnet wird. Ich würde jedoch sagen, dass sich die politischen Akteure des Landes viel besser darauf verstehen, die Nachrichten zu manipulieren, als dass sie einfach nur versuchen, etwas zu diskreditieren, indem sie es als Fake bezeichnen. Die Regierung nutzt das gesamte Arsenal an Instrumenten zur Medienmanipulation: Kontrolle der einflussreichsten TV- und Printmedien, Bekämpfung abträglicher Nachrichten durch „Durchsickernlassen“ schockierender gegenteiliger Geschichten, um den öffentlichen Fokus von den realen Geschehnissen zu verlagern, Änderung des Narrativs, indem sie sich selbst als von den Medien verfolgte Opfer darstellen, Diskreditierung der Medien durch den Vorwurf, hinter der Story stecke eine persönliche Agenda oder sie seien Agent politischer Gegner oder nicht näher bezeichneter ausländischer Mächte, Durchführung von Rufmord-Kampagnen gegen unabhängige Journalisten in von ihnen kontrollierten Medien usw.

5) Qualitätsjournalismus wird insbesondere heute – in Zeiten von Corona – gebraucht, denn seine Informations- und Kontrollfunktion ist unverzichtbar. Was sind Ihre wichtigsten Erfahrungen mit der offiziellen Öffentlichkeitsarbeit in diesen Zeiten der Pandemie?

Der Umgang der Regierung mit der Pandemie in Bezug auf die Medien war erschreckend. Ein Journalist, der eine Story über katastrophale Misswirtschaft in einem wichtigen Krankenhaus in der Vojvodina veröffentlichte, wurde festgenommen. Es kam ans Licht, dass die Regierung zwei parallele Listen infizierter und verstorbener Personen führt – eine für ihre internen Zwecke und eine mit deutlich reduzierter Anzahl für die Öffentlichkeit. Beamte geben regelmäßig widersprüchliche Kommentare zur aktuellen Situation ab, während Informationen aus offiziellen Quellen kaum zu erhalten sind, abgesehen von Pressekonferenzen, wo wir diese widersprüchlichen Kommentare erhalten.

Es ist also schlimm. Ziemlich schlimm.